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Nachricht vom 20.06.2021    

Geführte Wanderung auf den Spuren der Römer in Hillscheid

Von Helmi Tischler-Venter

Am Samstag, dem 19. Juni 2021 um 11 Uhr stand eine kleine Wandergruppe erwartungsfroh am idyllisch gelegenen Hotel Hüttenmühle in Hillscheid. Mit dem zertifizierten Wanderführer und Limes-Cicerone Manfred Knobloch ging es auf eine circa 9 Kilometer lange Runde auf den Spuren der Römer im Hillscheider Wald.

Wanderführer und Limes-Cicerone Manfred Knobloch führt Besucher zu römischen Relikten im Hillscheider Wald. Fotos: Helmi Tischler-Venter

Hillscheid. Manfred Knobloch arbeitet seit vielen Jahren „in Diensten der Römer“ am Limesturm 1/68, der 1994 nach der neuesten Limesforschung rekonstruiert wurde. Der Mann ist daher ein profunder Kenner der antiken Welteroberer, die den 550 Kilometer langen Obergermanisch-Raetischen Limes als Außengrenze des Römischen Reichs zwischen Rhein und Donau errichteten. Er erstreckt sich von Rheinbrohl bis zum Kastell Eining an der Donau. Der Obergermanisch-Raetische Limes ist ein Bodendenkmal und seit 2005 Weltkulturerbe der UNESCO. Limes bedeute Schneise, erklärte Knobloch, die Römer beziehungsweise ihre Hilfstruppen, die Auxiliare, hauten Schneisen durch den Wald. Mit dem Aushub wurde ein Wall erstellt, das Holz wurde zu Palisaden verarbeitet. Auch die Wachtürme wurden zunächst aus Holz gebaut und später durch Steintürme ersetzt. 900 Türme stehen auf der Strecke, davon allein 17 auf Hillscheider Gebiet, wo das Gelände besonders unübersichtlich und hügelig ist. Zudem wurden hundert bis zweihundert Kastelle als Militärlager erbaut.

Zu den noch erkennbaren Relikten dieser Grenzbefestigung führte der Wanderführer vorzugsweise durch Schatten spendenden Misch- und Laubwald, was von den Wanderern an dem extrem heißen Tag goutiert wurde. Knobloch, der seit 2010 Führungen für Hotels im Kannenbäcker Land durchführt, wies auf den - durch die Pandemie wiederentdeckten - Erholungswert des Waldes hin. Er habe als Kind bereits den Wald als Spiel-, Abenteuer- und Nahrungsquelle genutzt und finde heute noch sehr schnell Entspannung unter den Laubdächern, die Wege oft so überdecken, dass „Kathedralenwege“ entstehen. Auf einige alte Baumriesen wies der Naturfreund extra hin: Buchen lassen als Klimaxgewächse der Region wenig Unterwuchs zu und Eichen wachsen langsamer, ertragen aber mehr Hitze. Am meisten leiden die Nadelgewächse unter Hitze und Trockenheit, daher findet der Borkenkäfer leicht Zugang unter die Rinde mit der bekannten Folge des Waldsterbens.

Manche Limes-Reste bestehen nur noch aus kleinen Hügeln und Gräben, die nur das Kennerauge als römische Anlagen identifiziert. Hilfreich sind die Hinweisschilder und erklärenden Tafeln. Der Limes-Weg ist gut ausgeschildert und auch per Fahrrad nutzbar. Knobloch kannte schattige Abkürzungspfade, die am Ende durch den Limes-Graben zum Wall führten, der bis zu 1,50 Meter Höhe aufweist und streckenweise mit Heidelbeeren bewachsen ist. Der Borkenkäfer hat auf der Höhe Ausblicke geschaffen, die es vor einigen Monaten noch gar nicht gab. Durch eine insektenfreundlich blühende Wiese ging es auf einem Trampelpfad im Gänsemarsch zum ehemaligen Kastell.



An den teilweise rekonstruierten Relikten des Kastells erläuterte Knobloch, dass dieses an einem alten Handelsweg liegt, der von den Kelten bereits genutzt wurde. Die Kastelle mit 50 bis 60 Mann Besatzung waren Zollstationen, so wurden von den Römern die Ressourcen der Region genutzt, wie auch die Baumaterialien immer vor Ort bezogen wurden.

Am wegen seiner Form so genannten „Indianerfelsen“ aus an der Oberfläche liegendem Vulkangestein, kam der Wanderführer auf die Geologie der Region zu sprechen, zur Anschauung führte er Gesteinsproben im Rucksack mit. Ton ist als „weißes Gold des Westerwaldes“ europaweit bekannt, Basalt ist „schwarzes Gold“. Ein rätselhafter brauner Stein erwies sich als Braunkohle, die früher gefördert wurde und heute bei den Keramikern unbeliebt ist, weil sie den schönen weißen Ton verunreinigt.

Bergab ging es recht zügig zurück zur Hüttenmühle, wo eine beschauliche Terrasse an einem Teich auf die Wanderer wartete, die sich erfrischende Kaltgetränke zum Abschluss der schönen Tour schmecken ließen.

Von dem Hotel Hüttenmühle in Hillscheid aus findet an jedem dritten Samstag eines Monats bis Oktober eine Wanderung statt. Eine schriftliche Voranmeldung unter Angabe der Adresse beim Hotel wäre wünschenswert: Hotel Hüttenmühle, Hüttenmühle 1, 56204 Hillscheid, Telefon 02620-9547560 oder per Mail an info@huettenmuehle-hillscheid.de. Es reicht aber auch, wenn man am Tag 10 Minuten vor Beginn der Wanderung am Startpunkt ist.

Weitere Informationen zu den anderen Wanderungen oder zum touristischen Angebot im Kannenbäckerland findet man auch unter www.kannenbaeckerland.de. (htv)



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