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Nachricht vom 12.02.2022    

Der Wolf im Westerwald: Experten reagieren auf Fragen und Sorgen der Bevölkerung

Von Stefanie Schuhen

Die Wolfssichtungen im Westerwald häufen sich, die Bevölkerung zeigt sich verunsichert. Um für Fragen, Sorgen und Ängste rund um das Thema Wolf eine Plattform zu schaffen, informierte die Verbandsgemeinde Asbach in Zusammenarbeit mit dem Koordinationszentrum Luchs und Wolf nun im Rahmen einer Infoveranstaltung.

Experten sind sich einig: Der Wolf wird aus Deutschland nicht mehr verschwinden. (Symbolfoto)

Asbach. Immer wieder erreichen die Verbandsgemeinde Asbach Fragen zum Wolf, auch Aufnahmen der Tiere von Wildkameras werden häufiger. Die Unsicherheit wächst und damit auch der Klärungsbedarf. Dass die Thematik gerade für viele relevant ist, zeigt die Zahl der Teilnehmer an der Onlinekonferenz. Über hundert Interessierte waren im virtuellen Raum zugegen, um den Vorträgen der Referenten zu lauschen und sich am anschließenden Austausch zu beteiligen.

Michael Christ, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Asbach, begrüßte die Referenten und Teilnehmer. Der Wolf brauche Fürsprecher, so Christ, aber auch die Menschen in der Region würden Unterstützer benötigen, die ihre Fragen und Bedenken ernst nehmen. Die Organisation und Moderation der Veranstaltung übernahm Sahra Noben-Grzonka, Klimaschutzbeauftragte der Verbandsgemeinde Asbach.

Monitoring der Wölfe von großer Bedeutung
Julian Sandrini und Giulia Kriegel vom 2021 neu gegründeten Koordinationszentrum Luchs und Wolf Rheinland-Pfalz (Kluwo) informierten zunächst über die Aufgaben des Kluwo, die Lage zum Wolf im Westerwald und über Schutzmaßnahmen. Dabei gehöre neben Monitoring, Management und Herdenschutz die Beratung und Öffentlichkeitsarbeit zu den Aufgaben der Kluwo.

Für die Kluwo sei das Monitoring der Wölfe besonders wichtig, etwa um sogenannte Präventionsgebiete auszuweisen, wenn eine Wolfspopulation sicher nachgewiesen wurde. Durch genaue Dokumentation entsteht eine Karte, auf der die einzelnen Sichtungen dargestellt sind. Eine solche Karte zeigt Sandrini auf dem Bildschirm. Neben dem Leuscheider Rudel, bestehend aus der Fähe 1415f mit Nachwuchs, sind hier einzelne Tiere verzeichnet, die zwischenzeitlich weitergezogen sind oder deren Verbleib unklar ist. Wie viele Wölfe genau in der Region unterwegs seien, ließe sich jedoch nicht genau bestimmen, da Rudelgrößen schwer festzulegen seien. Bekannt sei, dass im Jahr 2020 sieben Welpen geboren wurden, auch 2021 waren es sieben Jungtiere, wobei aus beiden Jahrgängen jeweils zwei Tiere verstorben seien. Aktuell gehe man davon aus, dass das Leuscheider Rudel zwischen 14 und 17 Tieren umfasse.

Bei Zaunanlagen unbedingt Grundschutz beachten
Sandrinis Kollegin Giulia Kriegel sprach im Anschluss über den Rüden GW1896m, der aktuell wegen zahlreicher Übergriffe auf Herdentiere in aller Munde ist. Demnach sei das Tier für die meisten der seit 2021 verzeichneten Angriffe auf Nutztiere in der Region verantwortlich. Kriegel hebt jedoch hervor, dass es sich überwiegend um Übergriffe in Verbindung mit nicht grundschutzkonformen Drahtgeflechtszäunen handle.

Der Grundschutz sei daher bei der Einzäunung der Gehege zum Schutz vor dem Wolf dringend zu beachten. Wölfe versuchen meist einzudringen, indem sie sich unter dem Zaun durchgraben oder über zu niedrige Umzäunung hinwegspringen. Zaunanlagen sollten bestenfalls bestromt sein, idealerweise ausgestattet mit einer Untergrabschutzlitze sowie einer Übersprungschutzlitze. Der Schock durch den Strom funktioniere dabei auch als Lerneffekt, indem die Wölfe Nutztiere mit Schmerz verbinden.

Um Tierhalter zu unterstützen, wird eine Förderung des Herdenschutzes in Präventionsgebieten angeboten. Förderfähig seien etwa Schafe und Ziegen, aber auch Damtiere (in Haltung durch Menschen), Lamas und Alpakas. Bei Rindern, Pferden und Eseln greift die Förderung für Jungtiere im Alter von bis zu einem Jahr. Gefördert werden etwa Elektronetzzäune, Fünf-Litzenzaunsysteme (Mobil- und Festanlage), auch Weidezaungeräte und Zubehör oder die Nachrüstung von Festzäunen sowie Herdenschutzhunde.



Sollte es doch zu einem Übergriff kommen und man sieht ein verletztes oder totes Tier, so sollten umgehend Maßnahmen ergriffen werden. Dazu gehöre es, den Tierhalter und bei Bedarf den Veterinär zu kontaktieren, die verbleibenden Tiere zu sichern und die Großkarnivoren-Hotline anzurufen (06306-911199). Die rasche Meldung sei wichtig, um noch hinreichend Spuren dokumentieren zu können.

Der Austausch ist wichtig
Im Anschluss an die Vorträge entfaltete sich eine reger Austausch. Während der Fragerunde wurde schnell klar: Viele Bürger sind noch unsicher und zum Thema Wolf sind längst nicht alle Fragen abschließend geklärt. So kam etwa die Forderung auf, dass die Politik stärker eingeschaltet werden müsse, indem die Bedenken nach Mainz und Berlin weitergeleitet werden. Ein anderer Teilnehmer zeigte sich besorgt hinsichtlich der Lernfähigkeit von Wölfen und der Frage, ob die Tiere nicht zukünftig herauskriegen könnten, wie sie die Elektrozäune umgehen. Julian Sandrini sichert zu, dass die Kluwo die Bedenken nachvollziehen könne und man auch deswegen mit der Bevölkerung im Austausch bleiben wolle. Die Maßnahmen würden zudem stets aufgrund der aktuellen Entwicklungen angepasst, es gebe Instrumente, um solche Tiere zu identifizieren, bei denen die üblichen Schutzmaßahmen nicht greifen, um dann entsprechend handeln zu können.

Trotz der geäußerten Bedenken betonen die Teilnehmer immer wieder, dass es ihnen nicht darum gehe, den Wolf auszurotten. Vielmehr müsse ein Weg gefunden werden, der für alle Parteien verträglich ist.

Auch laut Sandrini sei nicht damit zu rechnen, dass der Wolf wieder aus Deutschland verschwindet. Aufgabe der Kluwo sei es, Hilfe anzubieten und Kompromiss zu finden. Man müsse lernen, mit der Situation bestmöglich umzugehen. (StS)



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