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Nachricht vom 06.03.2023    

Vulkanausbruch in Waldbreitbach

Von Helmi Tischler-Venter

Der Kabarettist, Moderator und Autor Christoph Brüske beherrscht die Königsdisziplin deutscher Kleinkunst: politisches Kabarett. Stand-up-Entertainment im Springmaus-Theater gehört zu seinen künstlerischen Stationen. Zudem kann er mit ausgebildeter Bass-Bariton-Stimme singen. Gute Voraussetzungen für einen anspruchsvollen Musik-Kabarett-Abend im Hotel zur Post.

Fotos: Wolfgang Tischler

Waldbreitbach. Dort spielte der Rheinländer sein neues Programm "Tanz mit dem Vulkan". Wie alle Kulturschaffenden freute sich der Kölner, dass wieder Auftritte vor leibhaftigen Menschen möglich sind. Da zurzeit sehr deutlich wird, dass Schülerinnen und Schüler am meisten unter der Corona-Phase gelitten haben, forderte der Künstler neben den hundert Milliarden Sonderfonds für die Bundeswehr ein paar Milliarden für unsere Schulen.

An Schnelltests und Händedesinfektion überall hat man sich gewöhnt, aber die AHA-Regeln hätte man als pandemisches Grundgesetz kreativ verkaufen können. In einem "Abgesang auf rheinische Art" beendete der Sänger den Corona-Driss musikalisch. Und warnte vor Affenpocken, Elefantenmumps und anderen Bedrohungen mit dem Fazit: "Wir haben so viele Gefahren, deshalb müssen wir das Leben genießen."

Das Leben ist manchmal unfair, zum Beispiel fand der Angriff auf die Ukraine unverzeihlicher Weise ausgerechnet an Weiberfastnacht statt. Es gibt eine Menge, für das es sich zu kämpfen lohnt, unter anderem für Comedy, Kabarett, unzensiertes Internet, Schützenfest, die Freiheit zu protestieren. "Wir glauben an die Freiheit!" lautete der Refrain des Lieds.

Aus den Kriegsereignissen lässt sich zweierlei lernen: 1. Freiheit muss zur Not auch verteidigt werden können. Das führte zu Überlegungen bezüglich Zeitenwende, Wumms und Doppelwumms, Sondervermögen für die Bundeswehr, Materialbeschaffung und Möglichkeiten der Eigenfinanzierung durch Sponsoring. Fotografien veranschaulichten die verbalen Querschläger auf lustige Weise.

2. Freiheit hat auch ihren Preis: Die extrem hohe Inflation hat skurrile Auswirkungen, während die Regierung den Bürgern mit Entlastungen hilft. "Die Rechnung schreibt Olaf in den Wind" sang Brüske im Stile Bob Dylans zu einer Fake-Gitarre, "weil das scheiße gut aussieht".

In dieser verrückten Zeit läuft vieles nicht rund, Baustellen werden nicht fertig, weil Nachwuchs und Fachkräfte fehlen, außerdem haben wir nun viermal mehr Vorschriften als 1990 als Folge der Datenschutz-Grundverordnung. Musikalisch goss der Künstler seine Erkenntnisse in Lieder: "Airport Köln" und "Kein schönes Land in dieser Zeit". Für die Klimaaktivisten der letzten Generation hatte der Kölner kreative Vorschläge zur Hand, die das Publikum heftig zum Lachen brachten, denn "man kann sich stärken mit Heiterkeit!"



Heitere Überlegungen zu unserem Bundeskanzler animierten den Autor zu einem "Olaf-Rap", aber auch andere Politiker wie Armin Laschet, Andreas Scheuer, Karl Lauterbach, Christian Lindner, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Saskia Esken und Walter Borjans sowie Robert Habeck bekamen auf pädagogisch wertvolle und humorvolle Weise ihr Fett weg. Robert Habecks Schnulze bildete gar "das erotische Kernstück des Abends".

Dass die Empörungskultur inflationiert, bewies Brüske anhand von Karl May und rassistischen Verkehrsschildern. Mit einer Adaption als Kunstlied im Stil Franz Schuberts, verwandelte der stimmgewaltige Sänger den Malle-Song von der Puffmutter Layla in hohes Kulturgut.

Im güldenen Jackett präsentierte der Künstler etwas Schönes zum Finale: zur Melodie von "New York, New York" eine Hommage an und über Waldbreitbach. In dem Lied vereinte er gekonnt den Malberg, die Westerwaldklinik, das Antoniushaus, das Wiedbachtal, den Ultra-Trail, Wied in Flammen, das Hotel zur Post und den gesperrten Weg nach Wüscheid. Das pathetische Lied belohnte das Publikum mit mehreren Minuten andauerndem Applaus. Als Zugabe bot der Fan des 1. FC Köln eine alternative Hymne für seinen Lieblingsverein.

Einen weiteren vergnüglichen Abend im Hotel zur Post steht am Sonntag, 26. März an mit Johannes Flöck zum Thema "Entschleunigung - aber zack, zack!" (htv)



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