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Nachricht vom 28.04.2024    

Lohn, Freizeit, Sicherheit, Demokratie: Neuwieder DGB-Empfang zum 1. Mai hatte kämpferisches Motto

Von Tamara Rehn

Der 1. Mai ist mehr als nur ein Feiertag, in den mit Mai-Nachts-Festen reingefeiert oder mit Bollerwagen durch die Straßen gezogen wird. Der 1. Mai ist der Tag der Arbeit und unter das Motto "Mehr Lohn, mehr Freizeit, mehr Sicherheit und mehr Demokratie" stellt der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) den diesjährigen 1. Mai. So prangte es auch über dem Empfang in Neuwied.

Jan Einig, Oberbürgermeister Neuwied, Hans-Joachim Gerloff, IG BCE, Markus Eulenbach, IG Metall, Michael Mahlert, 1. Kreistagsabgeordneter des Kreis Neuwied, Alexandra Eidenberg, DGB Kreisverband Neuwied, Martin Diedenhofen, MdB, Sven Lefkowitz (SPD), Sebastian Hebeisen, DGB Region Koblenz, Michael Köther, IG Bau. (Fotos: Tamara Rehn)

Neuwied. Schon vor dem offiziellen Veranstaltungsbeginn trafen am Samstagmittag (27. April) Vertreter und Mitglieder der Gewerkschaften und Politiker unter dem Motto "Mehr Lohn, mehr Freizeit, mehr Sicherheit und mehr Demokratie" zusammen. Dabei wurde sich unter anderem über vergangene aber auch potenziell zukünftige politische Zustände ausgetauscht. Unter den Anwesenden befanden sich unter anderem Alexandra Eidenberg, Vorsitzende des DGB-Kreisverbands Neuwied, Sebastian Hebeisen, Geschäftsführer DGB Region Koblenz, Markus Eulenbach, erster Bevollmächtigter der IG Metall Neuwied, Hans-Joachim Gerloff, Bezirksvorstandsvorsitzender der IG BCE Mittelrhein, Tobias Paulus, politischer Sekretär bei der IG BCE Mittelrhein, und Michael Köther, Gewerkschaftssekretär bei der IG BAU.

Auch die Politik war vertreten und neben den SPD-Parteimitgliedern Michael Mahlert, scheidender 1. Kreisbeigeordneter, Sven Lefkowitz und Martin Diedenhofen, Mitglied des Bundestages (MdB) war auch Oberbürgermeister der Stadt Neuwied Jan Einig anwesend. Der CDUler ist traditionell bei der Veranstaltung der DGB dabei und hielt auch in diesem Jahr eine Begrüßungsrede.

Mehr als nur ein "Bollerwagen-Feiertag"
Einig waren sich die Gewerkschaften bereits zu Beginn in einem Punkt: "Der 1. Mai ist unser Tag", brachte es Alexandra Eidenberg, Vorsitzende des DGB-Kreisverbands Neuwied, auf den Punkt. Nicht umsonst heißt der 1. Mai auch "Tag der Arbeit" und sei wohl der politischste Feiertag unter den ansonsten christlichen geprägten, findet Eulenbach.

Historisch betrachtet legten am 1. Mai weltweit immer wieder Arbeiter ihrer Arbeit nieder und streikten. 1856 in Australien, 1886 in Chicago und auch am 1. Mai 1890 legten Menschen aus Protest ihre Arbeit in Deutschland nieder. Die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP, die später zu SDP wurde) hatte im Oktober des Jahres zuvor (1889) den Beschluss gefasst, ebenfalls den 1. Mai als Tag der Arbeiterbewegung zu begehen. Die Forderungen von damals sind ähnlich wie die von heute. Neben dem hinzugefügten Aspekt der Demokratie geht es auch heute noch in den Streiks um Löhne, Arbeitszeiten und die Gewissheit, einen festen Arbeitsplatz zu haben.

Nachdem 1933 der 1. Mai unter dem NS-Regime zum Feiertag der nationalen Arbeit erklärt und in den folgenden Jahren für Propaganda-Zwecke genutzt wurde, kam es erst 1945 wieder zu freien Maifeiern. Im Jahr darauf wurde der 1. Mai durch die Alliierten wieder als Feiertag eingeführt.

Oberbürgermeister Jan Einig fordert nun dazu auf, den 1. Mai zu "nutzen, um auf die Herausforderungen für Arbeitnehmer aufmerksam zu machen." In einer Zeit, in der die enorme Arbeitsverdichtung in vielen Bereichen dazu führe, dass nicht jeder pünktlich Feierabend machen könne, sei es wichtig ein Zeichen zu setzen, dass arbeitsfreie Zeit keinen reinen Selbstzweck habe, sondern zur auch zur physischen und mentalen Erholung benötigt werde.



Aufforderung, das Gespräch zu suchen
In Deutschland herrscht seit 75 Jahren Frieden, ein Frieden, der durch die Demokratie errichtet wurde und welche diesen auch zukünftig weiter aufrechterhalten soll. Eulenbach fasst in seiner Rede zusammen, dass er allerdings befürchte, dass die Demokratie nicht ausreichend in der Gesellschaft verankert ist. Statt nun aber die Schuld etwa bei Parteien oder Gruppierungen zu suchen, fordert er dazu auf, nach dem "Warum?" zu fragen. In einen Austausch zu treten, um einen differenzierteren Blick zu ermöglichen.

Auch bei der anstehenden Europawahl im Juni ist der Bedarf nach Kommunikation groß. Erstmalig dürfen auch 16-Jährige wählen. Jugendliche, die meist noch keine Diskussion darüber geführt haben, wie ihre zukünftige Lebensplanung und auch dessen Finanzierung aussieht. Nur um ein Beispiel zu nennen. Mit der Verantwortung, die nicht nur die Jugendlichen, sondern alle Wahlberichtigen habe, dürfe nicht gespielt werden, unterstreicht Eulenbach.

Aus diesem Grund müsse die Bedeutung, die so eine Wahlstimme hat, verdeutlicht und verständlich gemacht und die Debatten rund um die Themen kommunale und europäische Gestaltung der Politik in Schulen, Freundes- und Bekanntenkreisen geführt werden. Seine Rede schloss Eulenbach mit den Worten: "Kümmere dich um mich, sonst verlasse ich dich. Deine Demokratie", angelehnt an Peer Steinbrücks Worte.

Work-Life-Balance
In dem Begriff Work-Life-Balance kommen mehrere Aspekte zusammen, unter anderem auch Lohn, Freizeit und Sicherheit. Dies sind auch die Themen, die in den Tarifverhandlungen Raum einnehmen werden. Lohnerhöhungen werden auch weiterhin bei den Tarifverhandlungen gefordert, beteuert Eulenbach. Denn diese sei nur eine Reaktion auf die Inflation in Deutschland, damit das Gehalt auch weiterhin den gleichen Wert hat.

Die IG Bau werde auch weiterhin auf eine vier-Tages-Woche hinarbeiten. Realistisch sei dies aber nur, ausgehend von einem Stundensatz, der zwischen 32 und 35 in der Woche läge, so Eulenbach. Den Vorwurf, Faulenzer zu sein, weist er entschieden ab. Die vier-Tages-Woche sei ein zukunftsorientiertes Konzept, um den gegebenfalls anstehenden Entlassung im Metallbau entgegenzuwirken.

Unter dem Aspekt der Sicherheit fällt nicht nur das Wissen einen langfristig bestehenden Arbeitsplatz zu haben, sondern auch Lebensträume, wie zum Beispiel ein eigenes Haus zu haben, auch erfüllen zu können. Ohne im Renten-Dasein noch Schulden zu haben und diese im schlimmsten Fall auf die eigenen Kinder zu übertragen.

Weitere Veranstaltungen und Kundgebungen am Mittwoch, 1. Mai, und Donnerstag, 2. Mai, sind auf der Webseite des DGB Region Koblenz nachzulesen.

(Tamara Rehn)


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