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Nachricht vom 02.05.2024    

Die Zahnlücke schließen: Welche Innovationen gibt es bei der Zahnschienen-Therapie?

RATGEBER | Ohne Frage stellt ein Aligner, also eine transparente Zahnspange, ein gleichermaßen beliebtes wie sinnvolles Hilfsmittel dar, wenn man eine Zahnlücke schließen will. Kein Wunder, schließlich konnte inzwischen wissenschaftlich belegt werden, dass sich ein Aligner nicht ausschließlich für ästhetische Korrekturen von Zahnfehlstellungen eignet. Vielmehr kommt er auch für die Anwendung bei schwerwiegenderen Fehlstellungen infrage, sofern eine engmaschige Betreuung und Überwachung des Therapiefortschritts gegeben ist. Ergänzend dazu versuchen Zahnmedizinerinnen und -mediziner, die Materialien und Behandlungsvorgänge immer weiter zu verbessern. Das lässt sich unter anderem an den Arbeiten des Fraunhofer-Institutes für Angewandte Polymerforschung (IAP) und dem neu anlaufenden berufsbegleitenden Masterstudiengang Kieferorthopädie und Alignertherapie erkennen.

Foto Quelle: pixabay.com / killc4m

Was ist der bisherige Stand der Forschung? – Aligner sind effektiv, setzen aber einen hohen Materialeinsatz voraus
Regelmäßig kommt die Frage auf, ob ein zahnmedizinisches Hilfsmittel auch wirklich für gravierendere Eingriffe empfehlenswert ist, wenn es vorrangig für kosmetische Korrekturen genutzt wird. Im Fall von Alignern ist das tatsächlich so. Das zumindest belegte die Studie Evaluation of effectiveness and stability of aligner treatments using the Peer Assessment Rating Index, die im September 2020 publiziert wurde. Diese zeigte allerdings auch auf, dass es ohne einen präzisen und realistischen Behandlungsplan nicht möglich ist, ideale Ergebnisse zu erzielen. Als ebenso wesentlich erwies es sich, beim Zahnlücke schließen gleichmäßig vorzugehen und genug Zeit für die Behandlung mit der Zahnschiene einzukalkulieren.

Ein Haken dabei: der hohe Materialaufwand. Er kommt dadurch zustande, dass sich mit den bisher verwendeten Alignern lediglich 0,2 Millimeter-Schritte vollziehen lassen. Auf eine durchschnittliche Zahnschienen-Therapie umgerechnet, werden so schnell zehn bis 60 Zahnschienen notwendig, wenn man eine Zahnlücke schließen will. In der Konsequenz kam die Frage auf, ob und inwiefern es möglich ist, für mehr Komfort aufseiten der Patientinnen und Patienten zu sorgen und gleichzeitig nachhaltigere und günstigere transparente Zahnschienen anzubieten. Eine Frage, der sich unter anderem das IAP angenommen hat.

Das Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung (IAP) und die Innovation beim Aligner-Material
Was kommt dabei heraus, wenn sich das Universitätsklinikum Düsseldorf und ein Team des Potsdamer Sciene Parks des Fraunhofer-Instituts zusammentun? Richtig? Eine schlagkräftige Kooperation, die sich mit der Entwicklung eines Materials für Aligner befasst, das genau die oben aufgezählten Punkte erfüllt. Die aktuell interessanteste Lösung stellen nach Ansicht des IAP-Projektleiters M. Sc. Dennis Schönefeld und seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Formgedächtnispolymere dar. Im Zuge der Synthetisierung von thermoplastischem Polyurethan (TPU) erwies sich nämlich, dass es sowohl auf Wärme als auch körperwarmes Wasser anspricht. Möglicherweise ideal, wenn es darum geht, mit einer einzelnen Zahnschiene mehrere Behandlungsschritte auf einmal auszuführen, wenn man eine Zahnlücke schließen möchte.

Die ersten Experimente mithilfe von Zahnkränzen machten den Forscherinnen und Forschern zumindest schon einmal Mut. Sie zeigten nämlich, dass eine graduelle Veränderung der Schienenform innerhalb einer bestimmten Zeit möglich war. Genauso wie das Verschieben eines Schneidezahns um maximal dreieinhalb Millimeter. Somit konnte die nächste Phase des Projekts beginnen, die differenzierte biomechanische Analyse des Materials. Diese findet in der zum Düsseldorfer Universitätsklinikum gehörenden Polyklinik für Kieferorthopädie statt und zielt auf eine Weiteroptimierung des Materials für klinische Anwendungen ab. Man darf also auf die Ergebnisse gespannt sein! Wobei natürlich auch andere Institute und Einrichtungen an einer Verbesserung der Aligner-Therapie interessiert sind.

Zahnlücke schließen mithilfe von echter Kompetenz: der berufsbegleitende Masterstudiengang Kieferorthopädie und Alignertherapie
Zahnärztinnen und -ärzte sehen sich immer mehr mit den permanenten technischen Weiterentwicklungen und neuen Konzepten konfrontiert – und das betrifft sowohl ihre unternehmerischen als auch ihre medizinischen Fähigkeiten. Als Reaktion auf diese Entwicklung haben sich die ibiz academy und die Hochschule Fresenius zusammengeschlossen und bieten ab März den berufsbegleitenden Masterstudiengang Kieferorthopädie und Aligner-Therapie an. Der deutschlandweit einmalige Masterstudiengang umfasst 18 Module, die sich auf vier Semester verteilen und findet zum Teil online, zum Teil am Wiesbadener Campus der Hochschule Fresenius und zum Teil in praktischer Arbeit an den Kliniken der Dozentinnen und Dozenten statt.

Thematisiert werden sollen dabei vorrangig

das Praxismanagement,
die Gesundheitsökonomie,
juristische Fragen sowie
Digitalwesen und Technik (unter anderem im Hinblick auf KI-Anwendungen oder Robotik).

Klingt innovativ? Ist es auch – denn gerade die digitalen Aspekte spielen im kieferorthopädischen Bereich und bei der Aligner-Therapie eine immer größere Rolle. Ein triftiger Grund also, als sich Zahnärztin beziehungsweise Zahnarzt um ein Update der eigenen Kenntnisse zu kümmern, falls kieferorthopädische Fachkompetenzen beim Zahnlücke schließen gefragt sind. Außerdem lernen auch Kieferorthopädinnen und -orthopäden nicht aus, sodass sich der Master durchaus als Fortbildung im digitalen Bereich anbietet.

Die Aligner-Therapie ist und bleibt ein spannendes Feld – sowohl für die Forschung als auch für damit praktisch arbeitenden Zahnmedizinerinnen und – mediziner. Eines aber dürfte sich trotz der verschiedenen Innovationen nicht verändern, wenn man eine Zahnlücke schließen möchte: Auch in Zukunft wird die regelmäßige Kontrolle vor Ort ebenso wichtig bleiben wie eine ausreichende Disziplin bei der Anwendung der transparenten Zahnspange. (prm)


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