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Nachricht vom 14.07.2024    

Premiere in der Römerwelt Rheinbrohl: Herstellung von Fensterglas rekonstruiert

Von Helmi Tischler-Venter

Heiß ging es her am 14. Juli im Erlebnismuseum "RömerWelt" am caput limitis in Rheinbrohl, denn am "Glastag" wurden die zwei Öfen der Römischen Glashütte in Betrieb genommen. Am Nachmittag war das Highlight die Herstellung von Fensterglas nach römischer Art, rekonstruiert aus Abfall und Werkzeugfunden. Auch Schmied, Glasperlenformerin und Brotbäcker waren auf Feuer und Brennöfen angewiesen.

Glasherstellung wie in römischen Zeiten. Fotos: Wolfgang Tischler

Rheinbrohl. Bereits um 5.30 Uhr hatten die Museumsmitarbeiter den großen Ofen angefeuert. Vormittags wurden kleine Glasgefäße mit einer Glasbläserpfeife geblasen und Mosaikglasplatten aus bunten Glaschips hergestellt. Das Mosaikglas wurde über einer Spezialform in eine konkave Hohlform geformt.

Geschäftsführer und Glasexperte Frank Wiesenberg demonstrierte am Nachmittag, als der Ofen genügend heiße Luft produzierte, wie in römischer Zeit, etwa ab der Zeitenwende, Fensterglas produziert wurde. Das milchig-grünliche Glas weist eine raue Rückseite und eine glatte Oberfläche auf. Die Analyse des historischen Glases ergab, dass die Bestandteile aus Afrika importiert wurden. Da archäologische Forschung den Verlauf des Limesgrabens unter der Glashütte feststellte, konnte Wiesenberg mit Fug und Recht sagen, die erste römische Schauglashütte auf dem Limes zu haben.

Die etwa einstündige Prozedur für eine quadratische Glasscheibe war sehr spannend zu beobachten. Ausgangsmaterial war ein zäher Glasklumpen, der an Karamell erinnerte. Er wurde immer wieder im Ofen bei etwa 1100 Grad Celsius erhitzt und sofort auf einer feuerfesten Unterlage mit Trennmittel schübchenweise auseinandergezogen. Zwei Helfer, die sich permanent um das Ofenfeuer kümmerten, waren sehr hilfreich bei dieser schweißtreibenden Tätigkeit. Nach zahlreichen Brenn- und Extraktionsvorgängen wurde die Glasplatte noch zweimal erhitzt, damit die Ränder begradigt werden konnten und anschließend im weniger heißen "Abkühlofen" langsam abgekühlt. Denn "Glas hat ein Gedächtnis. Wenn es einmal zu kalt war, merkt es sich das und springt", erklärte Wiesenberg anschaulich.



Wiesenberg erläuterte, Fensterglas sei ein Schlüsselobjekt für römisches Glas. Für seine Herstellung sei eine neue Rezeptur mit hohem reinem Natronanteil wichtig gewesen. Seit es Fensterglas gab, war es in Badegebäuden und besseren „villae rusticae“ Standard. Da der Bau einer Latrine mit zwölf Glasscheiben neben der Glashütte geplant ist, warten noch viele Stunden heiße Arbeit auf die Glaswerker.

Wesentlich schneller gelang das Wickeln von heißen Glasstäben über dem Perlenofen zu hübschen Glasperlen, die anschließend von Kindern auf Lederbänder gefädelt und zu Ketten gestaltet wurden.

Ein verlockender Duft nach frisch gebackenen Broten zog vom Backhaus über das Gelände. Beim Backen konnten die Besucher zuschauen und ein Brot probieren oder erwerben, sobald es aus dem großen Ofen kam. Dieser musste drei bis vier Stunden vorgeheizt werden, damit er innen 400 Grad erreichte, bevor die Brote eingeschoben wurden. Kinder versuchten sich unterdessen an der Mehlherstellung mittels Hand- oder Mühl-Steinen. Viel Zeit konnten sie anschließend auf dem attraktiven Spielplatz verbringen.

Weitere Thementage, Workshops und Aktionen finden Sie auf der Homepage www.roemer-welt.de. htv



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