Werbung

Nachricht vom 21.03.2025    

Holger Klein will Nachfolger von Bürgermeister Breithausen werden

Von Wolfgang Tischler

Am 6. April wird ein neuer Bürgermeister für die Verbandsgemeinde Rengsdorf-Waldbreitbach gewählt. Der bisherige Amtsinhaber Hans-Werner Breithausen geht zum Jahresende in den Ruhestand. Insgesamt vier Kandidaten haben ihren Hut in den Ring geworfen. Einer davon ist Holger Klein, der Ortsbürgermeister von Melsbach.

Holger Klein bewirbt sich al Bürgermeister für die Verbandsgemeinde Rengsdorf-Waldbreitbach. Foto: privat

Melsbach. Wir haben dem Kandidaten Klein einige Fragen gestellt.
Warum wären Sie der geeignete Bürgermeister für die Verbandsgemeinde Rengsdorf-Waldbreitbach?
Holger Klein:
Neben meiner kommunalpolitischen Arbeit, die ich seit über 25 Jahren aktiv gestalte, bringe ich auch den Blick von außen mit in die Verwaltungsstrukturen und in die umfangreichen Arbeitsbereiche einer Verbandsgemeinde (VG). Über Hauptschule, technisches Gymnasium habe ich erst einmal eine Ausbildung als Industriemechaniker gemacht. Anschließend habe ich Maschinenbau an der FH in Koblenz studiert. Danach war ich über zehn Jahre in der Industrie beruflich tätig gewesen. In dieser Zeit habe ich vielen Dinge erfahren dürfen, Menschen und ihre unterschiedlichsten Eigenheiten kennengelernt und bei Auslandstätigkeiten andere kulturelle Gesellschaften erleben können. Diese Erfahrungen, gepaart mit dem Arbeiten im Team und Personal in Verantwortung, haben mich auch für viele weitere Aufgaben geprägt: im Vereinsleben, auf der kommunalen politischen Ebene seit 2004 als Gemeinderatsmitglied und seit 2014 Ortsbürgermeister von Melsbach, aber auch seit 2013 als Berufsschullehrer an der David-Roentgen-Schule.

Die Perspektive des Gegenübers einnehmen zu können, ob klein oder groß, ob jung oder alt, das ist ein ganz wichtiger Baustein in der pädagogischen Arbeit, aber auch für das Amt des Bürgermeisters. Den Menschen zuhören, deren Ansichten verstehen, Schlüsse und Lösungsansätze zu ziehen und zu erarbeiten, sowie anschließend im Rahmen der Möglichkeiten umzusetzen. Das ist essentiell für die Aufgaben und das Handeln eines Bürgermeisters.

In der seit über 30 Jahren langen Vereinsarbeit habe ich eines gelernt: man muss vorausgehen, die Dinge anpacken, Probleme lösen und nach allen gegebenen Möglichkeiten Maßnahmen umsetzen. Dann lassen sich die Menschen mitnehmen, mitreißen und überzeugen, dass man Herausforderungen annehmen muss, sich auf die Dinge einlassen kann und gemeinsam erfolgreich zum Ziel kommt.

Was wird Ihr Hauptschwerpunkt im neuen Amt sein, wenn Sie gewählt werden?
Holger Klein:
Mein erster Schwerpunkt liegt in der medizinischen Versorgung in unserer VG, die mit 0,49 Hausärzten auf rund 1.000 Einwohner weit im unteren Versorgungsbereich liegt. Vor dem Hintergrund, dass in den letzten Jahren viele Praxen aus Altersgründen und wegen der immer steigenden Verwaltungsbürokratie geschlossen haben, gilt es daher, unsere jetzigen Hausärzte und Hausärztinnen zu unterstützen und zu stärken. Hierbei stehen wir in dem eigens eingerichteten Arbeitskreis für die medizinische Versorgung in unserer VG im Austausch mit der Ärzteschaft und der Servicestelle Gesundheit. Weiterhin sollte ein Ziel sein, dass wir in der größten VG des Landkreises ein oder sogar zwei MVZ (Medizinisches VersorgungsZentrum) schaffen sollten. Aber auch die Fachärzte, wie zum Beispiel Kinderarzt, Psychologen, Psychiater, Physiologen und Apotheken müssen wir im Blick haben. Diejenigen, die nicht mehr so gut zu Fuß oder mobil sind, müssen wir durch ein umfangreiches Bürgerbusangebot helfen, zum Arzt oder auch zum täglichen Einkauf zu kommen. Die bis dato fast 40 ehrenamtlichen Fahrer machen hier einen tollen Job.

Was ist noch wichtig?
Holger Klein:
Eine zweite wichtige Säule in der Arbeit des Bürgermeisters ist Bürgernähe und Transparenz. Daher möchte ich zu ausgewählten Themen regelmäßige Bürgerversammlungen und Bürgersprechstunden in den einzelnen Ortsgemeinden durchführen, gerne zusammen mit den jeweiligen Ortsbürgermeisterinnen und Ortsbürgermeister. Eine VG-App soll im Zeitalter der Digitalisierung die Bürgerinnen und Bürger sekundenschnell über Neuerungen, Maßnahmen und Projekte informieren. Wichtig ist, bei allem was und wie wir informieren, dass wir den direkten und nahen Kontakt zum Bürger haben. Ich möchte alle auf unseren gemeinsamen Weg mitnehmen, gegenseitig austauschen und gemeinsame Lösungen finden.

Schulen und Kitas - ja, da muss das Ziel sein, unsere Einrichtungen für unsere Kinder auf einen modernen und kindgerechten Stand zu entwickeln und weiter auszubauen. Der Klassenraum oder der Betreuungsraum ist ein wichtiger Lernbegleiter, der die Kinder zum Lernen einlädt, wo sie Freude und Spaß in der Gemeinschaft haben. Ab dem Schuljahr 2026/2027 gilt das Ganztagsfördergesetz. Für Aus- und Umbauten sind in der VG viele Projekte beantragt, für die Bund, Land und Kreis viele Fördergelder bereitstellen. Mit diesen Voraussetzungen schaffen wir eine angenehme Lernatmosphäre. Doch egal, ob Ganztagsschule oder betreuende Schulen und Kitas, wir müssen die Lehr- und Betreuungskräfte auf diesem Wege unterstützen. Erziehung kann nicht nur in Schule und Kita stattfinden. Wir müssen alle gemeinsam an einem Strang ziehen, um unsere Gesellschaft wieder respektvoller und vertrauensvoller zu gestalten.

Kommen wir mal auf die Wirtschaft zu sprechen
Holger Klein:
Nicht nur die großen Unternehmen tragen viel zur Wirtschaftsleistung der Region bei, sondern gerade die mittelständischen Betriebe und vor allem unsere vielzähligen Handwerksbetriebe. Wir als Verwaltung müssen sie bei Bauanträgen, Förderanträgen, bei der Ausweisung von sinnvollen Gewerbeflächen et cetera unterstützen. Durch ständigen Austausch mit den Betrieben und mit allen Ortsgemeinden lassen sich dann Probleme erörtern und Lösungen aufzeigen.



Hierzu stelle ich mir auch die Stelle eines Förderscouts in der VG vor. Dieser Förderscout soll sich mit den unzähligen Fördertöpfen national und auf EU-Ebene auseinandersetzen, um den öffentlichen, betrieblichen und privaten Bereich mit Fördermöglichkeiten zu versorgen und in Förderprojekten zu begleiten. Auch der Kampf gegen den Fachkräftemangel und die Ausbildung unserer jungen Menschen möchte ich angehen. Die Azubimesse ist ein erster Schritt. Zudem stelle ich mir eine Azubi-App vor, in der insbesondere Handwerksbetriebe sich präsentieren und Stellen anbieten können. Der Vorteil einer Azubi-App wäre, dass die jungen Menschen aus der VG ganzjährig die Möglichkeit hätten, sich über Berufe zu informieren und gegebenenfalls einen Beruf aussuchen können.

Weitere Schwerpunkt sind die Infrastruktur, Tourismus, sowie Vereine und Ehrenamt. Zusammen mit Bund, Land, Kreis und LBM müssen zwei wichtige Verkehrsadern vorangetrieben werden: Ausbau der L257 zwischen Niederbreitbach und Kurtscheid und die Ortsumgehung B256 Straßenhaus. Was die Bürgerinnen und Bürger an täglichen Straßenverkehr ertragen müssen - da müssen kurzfristige und geeignete Mittel etwas Abhilfe schaffen. Aber auch die Gemeindestraßen in den jeweiligen Ortsgemeinden werden nicht jünger.

Tourismus ist vor allem in der Wiedtalregion historisch gewachsen. Hier gilt es: erhalten, ausbauen, weiterentwickeln. Auch sollten wir unseren Bürgerinnen und Bürger diese schöne Region als Freizeit- und Erholungsregion stärker in das Bewusstsein bringen. Vergünstigungen auch bei Vereinen und Ehrenamt, die wir weiter stärken und vernetzen wollen, zum Beispiel: Abschaffung Schankerlaubnis, Hilfestellungen in Behördenfragen und einiges mehr.

Wie sind Ihre Vorstellungen im Brand- und Katastrophenschutz?
Holger Klein:
Mit etwas mehr als 400 Feuerwehrkameradinnen und Feuerwehrkameraden, über 40 Fahrzeugen, sowie fast überall moderne und neue Feuerwehrhäuser haben wir eine sehr gut ausgestattete Feuerwehr. Mit fast 400 Einsätzen jeglicher Art im Jahr stehen unsere Feuerwehrleute rund um die Uhr für die Sicherheit unserer Bürgerinnen und Bürger ein. Dass wir diesen Standard halten, alte Fahrzeuge sukzessive ersetzen, die Ausstattung auf neue Herausforderungen anpassen und weiterentwickeln - das ist auch mein Anspruch, um die in den letzten Jahren und Jahrzehnten veränderten Gefahrensituationen sicher entgegenzutreten. Im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten müssen wir die Vorschläge zu Investitionen und Maßnahmen priorisieren, um die wichtigsten Punkte zeitnah umzusetzen. Wehrleiter Peter Schäfer sagt immer "Feuerwehr muss Spaß machen". Ja wie in jedem anderem Verein und Institutionen kann dies nur mit guter Ausstattung, mit Vertrauen und Respekt vor dem Einsatz jedes Mitgliedes und der verantwortlichen Personen und in intensiven Austausch aller Beteiligten gelingen.

Hierzu zählt auch das vor ein paar Jahren begonnene Konzept zum Hochwasserschutz- und Starkregenkonzept, das vor dem Hintergrund des Ahrtalhochwassers zuerst die Wiedtalgemeinden in den Blick genommen hat. Das Konzept befindet sich auf der Zielgeraden, sodass Mitte des Jahres alle möglichen Maßnahmen zum Schutz der Region und der Bevölkerung, aber zur Reduzierung beziehungsweise Verhinderung von größeren Wassermassen veröffentlicht werden können. Bei allen Maßnahmen, Vorschläge und Ideen im kommunalen als auch im privaten Bereich, wird uns die Umsetzung des Konzeptes viele Jahre beschäftigen, weil hinter jeder Maßnahme Kosten stecken, die auch finanziert werden müssen. Ob Fördergelder von Bund und Land, von den Kommunen oder vom Privatmann finanziert - hier muss genauestens abgewogen werden, was dringend benötigt wird und was langfristig umgesetzt werden kann.


Zum Abschluss bitte noch eine kurzes Statement zu den Bereichen Klima, Umwelt und Energie
Holger Klein:
er Gesetzgeber hat die Kommunen dazu verpflichtet, bis 2028 eine kommunale Wärmeplanung durchzuführen mit dem Ziel, die Energieerzeugung und Energieressourcen in den Kommunen zu analysieren und Maßnahmen, Projekte zu starten, um den zukünftigen Energiebedarf zu decken. Hierbei spielen, Photovoltaik- und Solarmodule, Nahwärmeerzeugung und vieles mehr wichtige Rollen. Was Freiflächenphotovoltaikanlagen anbetrifft, so bin eher skeptisch. Wir brauchen landwirtschaftliche Flächen, um unsere Nahrung anzubauen und zu ernten. Ansonsten gibt es so viele ungenutzte Dachflächen, sowohl öffentliche Liegenschaften als auch auf privatem Eigentum. In Form von Genossenschaften könnte man alternative Energie erzeugen und für den Eigenverbrauch nutzen. Auch die Windenergie beschäftigt uns immer mehr. Ja wir leben im Naturpark Rhein-Westerwald. Es ist zwar kein ausgewiesenes Naturschutzgebiet, aber die hart erkämpften Kernzonen sollten zumindest vom Bau industrieller Windkraftanlagen außen vor sein. Auch wenn die Hoheitsrechte bei den jeweiligen Ortsgemeinden liegen, sollte man in gemeinsamen Austausch überlegen, wo eventuell eine Windkraftanlage Sinn macht und den Eingriff in Natur und Umwelt auf ein Minimum reduziert.

Herr Klein wir danken Ihnen für das Gespräch
- geführt von Wolfgang Tischler (woti)


Lokales: Rengsdorf & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion

Anmeldung zum NR-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Neuwied.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Politik


Bürgermeisterwahl in der Verbandsgemeinde Puderbach: Alexander Mohr

Im Hinblick auf die Wahl des Verbandsgemeindebürgermeisters in Puderbach stellen sich die Kandidaten ...

SPD Neuwied: Bürgerempfang 2025 mit prominenten Gästen

Beim Bürgerempfang der SPD Neuwied kamen zahlreiche Gäste zusammen, um über die politischen Herausforderungen ...

Kandidatenrunde in Roßbach: Bürgermeisterkandidaten im Bürgergespräch

Im Hotel Strandcafé in Roßbach fand eine Kandidatenrunde für das Amt des Verbandsbürgermeisters für Rengsdorf-Waldbreitbach ...

CDU Windhagen lädt zur Bürgersprechstunde und offenen Sitzung ein

Im April 2025 haben die Bürger von Windhagen gleich zwei Möglichkeiten, ihre Anliegen direkt an die CDU ...

Finanzielle Krise im Verbundkrankenhaus Linz-Remagen

Das Verbundkrankenhaus Linz-Remagen hat Insolvenz angemeldet und ein Schutzschirmverfahren beantragt. ...

Rheinland-Pfalz enthält sich bei Milliarden-Finanzpaket im Bundesrat

In einer entscheidenden Abstimmung im Bundesrat über das umfangreiche Finanzpaket mit Milliardenkrediten ...

Weitere Artikel


Musikalische Weltreise zur Saisoneröffnung auf der Sayner Hütte in Bendorf

Am Sonntag, 23. März, eröffnet die Sayner Hütte mit einem Konzert ihre neue Saison. Unter der Leitung ...

Innovationen in der Notfallmedizin: Innenminister Ebling beim DINK 2025 in Koblenz

Beim Deutschen Interdisziplinären Notfallmedizin Kongress (DINK) 2025 in Koblenz tauschten sich Fachleute ...

Rheinland-Pfalz modernisiert Finanzamt-Service: Neue Online-Dienste und geänderte Telefonzeiten

Die rheinland-pfälzischen Finanzämter verbessern ihren Service mit neuen digitalen Angeboten und angepassten ...

5 Jahre Katringer Grünzeug: Solidarische Landwirtschaft in Erpel

Die Solidarische Landwirtschaft Katringer Grünzeug in Erpel feiert ihr 5-jähriges Bestehen und setzt ...

Konflikt ohne Ende? Die Unruhen bei den Freien Wählern Rheinland-Pfalz

Der interne Konflikt bei den Freien Wählern in Rheinland-Pfalz spitzt sich weiter zu. Der Landesvorsitzende ...

Sicherung der medizinischen Versorgung: Schutzschirmverfahren für das Verbundkrankenhaus Linz-Remagen

Das Verbundkrankenhaus Linz/Remagen und seine Partnergesellschaften haben ein Schutzschirmverfahren eingeleitet, ...

Werbung