Zwei Jahre ohne Wasser: Wie geht es weiter mit dem Wiesensee bei Westerburg?
Von Regina Morkramer
Ein See ohne Wasser - klingt komisch, ist aber seit nunmehr zwei Jahren das Schicksal des Wiesensees bei Westerburg. Weil im Herbst 2021 Mängel an der Stauanlage festgestellt wurden und ein sicherer Betrieb nicht mehr gewährleistet werden konnte, musste das Wasser des Sees abgelassen werden. Wann kommt es bloß zurück?

Stahlhofen. Wiese statt See: Fast hat man sich schon gewöhnt an den Anblick des Wiesensees. Doch Anwohner und Touristen fragen sich, wann das Wasser in dem 1971 aufgestauten und damit künstlich angelegten See zurückkehrt. Dabei ist der Wiesensee nicht nur Ausflugsziel mit idyllischen Wanderwegen, willkommenen Abkühlungsmöglichkeiten und weiterer Freizeitnutzung. Vor allem soll er einen Beitrag zum Hochwasserschutz leisten. Um diesen Schutz vor Hochwasser für unterhalb des Sees gelegene Ortschaften sicherzustellen, überprüfte der TÜV Rheinland regelmäßig den Zustand der Stauanlage - und stellte im November 2021 Mängel an einer Stauklappe fest. Weitere Untersuchungen ergaben, dass ein sicherer Betrieb nicht mehr gewährleistet werden kann. Schließlich erließ die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord die Anordnung, den See abzulassen, um die Belastung der Stauklappe durch den Wasserdruck zu reduzieren. Weitere Mängel am Drosselbauwerk, dem sogenannten "Mönch", wurden festgestellt - mit dem Ergebnis, dass der Wiesensee vollständig entleert werden musste, um die notwendigen Reparaturen durchzuführen.
Im Februar 2023 war es so weit, der See war ohne Wasser. Im Sommer 2024 wurde ein neuer "Mönch" errichtet, zwischenzeitlich musste der Wiesensee mit Spezialmaschinen gemäht werden. Probebohrungen am Staudamm sollten Auskunft darüber geben, ob der See wieder aufgestaut werden kann, doch die Arbeiten ziehen sich insgesamt schon seit Jahren hin - und ein konkretes Ende ist weiterhin nicht in Sicht. "Wenn das Hochwasserrückhaltebecken wieder den gesetzlichen und technischen Anforderungen genügt, kann vonseiten der SGD Nord in ihrer Funktion als Obere Wasserbehörde eine Zulassung zum Wiedereinstau des Wiesensees erteilt werden", erklärt die SGD auf Anfrage. Der Zeitpunkt hänge somit von der Umsetzung der notwendigen Maßnahmen zur Beseitigung der bestehenden technischen Mängel ab. Darauf hat die SGD Nord eigenen Angaben zufolge allerdings keinen Einfluss.
Entschlammung statt Wiederaufstauung
Denn zuständig für diese Arbeiten ist die Verbandsgemeinde Westerburg als Betreiberin der Stauanlage. "Aussagen zum Zeitpunkt der Wiederaufstauung des Sees lassen sich derzeit nicht machen", verkündet diese aktuell auf Anfrage. Jetzt stehen erstmal andere Maßnahmen an. Denn "im Januar dieses Jahres ergab sich in Abstimmung mit der Genehmigungsbehörde und dem Land Rheinland-Pfalz eine geänderte Möglichkeit zur Entschlammung gegenüber der ursprünglich geplanten Nassentschlammung. Nunmehr ist eine Entschlammung innerhalb des Sees durch Umlagerung von Erd- und Schlammmassen möglich."
Hinzu komme die fast zeitgleiche Auflegung eines neuen Förderprogrammes des Landes Rheinland Pfalz für Infrastrukturmaßnahmen, das für die Finanzierung der Maßnahme verwendet werden soll. Hierzu sei eine Beantragungsfrist bis Ende August 2025 vorgesehen. Erst danach kann überhaupt erst das Wasser in den Wiesensee zurückkommen - wenn auch zu einem bislang ungewissen Zeitpunkt: "Sobald danach dann eine Bewilligung vorliegt, können wir mit den Maßnahmen fortfahren. Wann und wie schnell das sein wird, hängt vom Land RLP ab. Eine Wiederanstauung und Vernässung der Schlammmassen bis dahin wäre technisch nicht sinnvoll und würde die Umsetzung unmöglich machen."
Derzeit laufen nach Aussage der Verbandsgemeinde die finalen Bearbeitungen des Gutachtens zur vertieften Sicherheitsüberprüfung des Dammbauwerkes, der Überprüfung der Standsicherheit des Dammbauwerkes und der Genehmigungsplanung für den erforderlichen Neubau der Hochwasserentlastungsanlage (HWE). "Alle diese Unterlagen sollen dann im April der Genehmigungsbehörde (SGD) zur Prüfung vorgelegt werden. Durch die intensive Vorabstimmung rechnen wir mit einer zügigen Erteilung der Genehmigung der neuen HWE durch die SGD", erklärt die Verbandsgemeinde zuversichtlich. "Danach können die Bauarbeiten für die Hochwasserentlastungsanlage ausgeschrieben und vermutlich im Herbst mit den Bauarbeiten zur HWE begonnen werden."
Verzögerungen auch durch Personalmangel
Doch warum ziehen sich die Arbeiten seit so vielen Jahren hin? "Die Baumaßnahmen haben leider Verzögerungen erfahren", räumt die Verbandsgemeinde ein. "Allein bei dem Gewerk Stahlbauarbeiten/technische Einrichtung für den neuen Mönch mussten beispielsweise zwei öffentliche Ausschreibungen aufgehoben werden, da kein Angebot für die Bauleistung abgegeben wurde. Mit dem dann dritten Vergabeverfahren für dieses Gewerk beläuft sich die Verzögerung hier allein auf rund ein Jahr."
Hinzu komme die Verlängerung vieler Planungsprozesse, da die benötigen Kapazitäten endlich seien und Personalmangel in den Ingenieurbüros für Verzögerung sorge. Eine derartige Baumaßnahme bestehe aus komplexen Planungsprozessen mit einer Vielzahl von beteiligten Büros, Laboren und Firmen, die an einer Aufgabe arbeiten. "Selbst kleine Verzögerungen in einzelnen Bereichen führen zu einer Kettenreaktion."
Für die bisherigen Maßnahmen wie etwa den Neubau des Mönchbauwerkes, die Bohrarbeiten zur Standsicherheitsüberprüfung, die Planungskosten oder auch die Mäharbeiten sind laut Verbandsgemeinde bisher Kosten in Höhe von rund 2,2 Millionen Euro entstanden. Für den Neubau der HWE werden weitere 500.000 Euro veranschlagt. Hinzu kommen ungefähr weitere 2,5 Millionen Euro für die geplante Entschlammung.
Wirtschaftliche Einbußen für Gastronomen am Wiesensee
Der Wiesensee ist von touristischer Bedeutung, doch seit die Freizeitgestaltung durch die Trockenlegung entsprechend eingeschränkt ist, muss die Region auch wirtschaftliche Einbußen hinnehmen. "Das fehlende Wasser ist für uns eine Katastrophe. Unsere Umsätze sind teilweise um mehr als 50 Prozent eingebrochen, und wir sehen uns gezwungen, unser Café nur noch an den Wochenenden zu öffnen. Diesen Winter mussten wir unser Café nach über 20 Jahren zum ersten Mal vollständig schließen, da keine Touristen oder Tagesgäste mehr kamen", beschreibt etwa Markus Mühlenhaupt vom Café Seewies die aktuelle Situation. "Auch unser Imbiss neben der Tourist-Information bleibt in diesem Jahr geschlossen. Die Ausstellungs- und Verköstigungsfläche für Jack-Waeller-Produkte in unserer Polarbar mussten nach nur fünf Monaten wieder aufgeben, da sich der Betrieb wirtschaftlich nicht mehr gelohnt hat." Finanzielle Unterstützung von offizieller Seite gebe es dafür nicht. Mühlenhaupt äußert Unverständnis über den Hergang am Wiesensee: "Aktuell hängt alles nur noch an einer Maßnahme: Ein einfacher Betonkeil muss in die Hochwasserentlastungsanlage eingebaut werden. Die Planung hierfür zieht sich jedoch seit Jahren hin. Unser dringender Wunsch ist es, dass der See zumindest in diesem Jahr wieder bis zur Hälfte mit Wasser gefüllt wird. Leider wurde dieser Vorschlag seitens der SGD Nord abgelehnt."
Auch Maurice Mühlenhaupt vom Campingplatz am Wiesensee beklagt finanzielle Verluste durch die anhaltende Trockenheit am Wiesensee: "Leider hat sich die Situation auf unserer Kurzcamperwiese in den letzten Jahren deutlich verschlechtert. Der Rückgang des Wassers im Wiesensee hat dazu geführt, dass unser Umsatz stark eingebrochen ist. Viele unserer Gäste, die ursprünglich für mehrere Tage oder Wochen gebucht hatten, verlassen den Platz bereits nach wenigen Tagen, da der See nicht mehr vorhanden ist. Während andere Campingplätze in der Hochsaison ausgebucht sind, stehen bei uns oft viele Stellplätze leer. Bedauerlicherweise erhalten wir bislang keine offizielle Unterstützung."
Bürgermeister sieht "Licht am Ende des Tunnels"
"Wirtschaftliche Einbußen sind sicher vorhanden und auch nachvollziehbar", räumt der Bürgermeister der Verbandsgemeinde, Markus Hof, ein. "Leider wird hier oft vergessen, dass es sich bei dem Wiesensee um ein Hochwasserrückhaltebecken, eine rein technische Anlage handelt. Diese Anlage muss nun nach über 50 Jahren Betriebszeit saniert und für die Hochwasserschutzaufgaben der Zukunft (Stichwort Starkregenvorsorge) fit gemacht werden. Das ist leider unumgänglich und eine Allgemeinaufgabe."
Das ganze Verfahren um den Wiesensee sei sehr zäh, so Hof. "Es ist aber Licht am Ende des Tunnels zu sehen, sodass ich positiv in die nahe Zukunft schaue." (rm)
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