10 Jahre Fachkräftemangel: Kein Ende in Sicht?
RATGEBER | Die deutsche Wirtschaft gerät zunehmend unter Druck, und das von mehreren Seiten. Neben strukturellen Problemen wie hohen Energiepreisen, ausufernder Bürokratie oder dem demografischen Wandel und branchenspezifischen Herausforderungen ist auch der Fachkräftemangel weiterhin eine Gefährdung der Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen. Akuter Handlungsbedarf besteht nicht erst seit gestern und bei genauerem Hinsehen auch nicht seit vorgestern. Welche Lösungsansätze gibt es, den Fachkräftemangel zu beheben und welche Rolle können ausländische Fachkräfte dazu beitragen?

Fachkräftemangel ist ein vielschichtiges Problem
Wirtschaftliche Probleme sind meist komplex und haben unterschiedliche, sich teils bedingende Ursachen. So besteht auf der einen Seite in nahezu allen Branchen ein Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern, gleichzeitig sinkt aber auch die Personalnachfrage, infolge der insgesamt schwachen Wirtschaft. Ein zusätzlicher Aspekt: Unternehmen, die neue Mitarbeiter einstellen möchten, suchen in vielen Fällen andere Qualifikationen, als die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Menschen besitzen.
Ein möglicher Lösungsansatz wäre hier, dass Unternehmen bestehende Mitarbeiter umschulen oder weiterqualifizieren, um entsprechende Stellen besetzen zu können. Sofern die Bereitschaft dazu vorhanden ist, kann sich eine solche Maßnahme als Win-win-Situation für beide Seiten herausstellen. Auch können Unternehmen ihre Arbeitsbedingungen attraktiver machen und etwa mehr Gehalt zahlen, Teilzeitlösungen oder flexible Arbeitsmodelle können dazu beitragen, für neue Mitarbeiter mit entsprechenden Qualifikationen attraktiver zu werden.
Ausländische Fachkräfte spielen eine zunehmend größere Rolle
Eine zentrale Rolle spielt darüber hinaus auch das Anwerben ausländischer Fachkräfte, was durch das 2020 in Kraft getretene Fachkräfteeinwanderungsgesetz stark vereinfacht wurde und von Bundesinnenministerin Faeser als das "modernste Einwanderungsrecht" der Welt bezeichnet wurde. Allerdings kommt es stark darauf an, aus welchen Ländern Fachkräfte angeworben werden, wenn es darum geht, ob diese auch tatsächlich geeignet sind. Die Politik bemüht sich, ausländische Abschlüsse und Qualifikationen schneller anzuerkennen oder mit speziellen Umschulungen für eine ausreichende Qualifikation zu sorgen.
Das ist häufig der Fall, wenn es um außereuropäische Arbeitskräfte geht – innereuropäisch sieht es schon anders aus, da die meisten Berufsqualifikationen innerhalb der EU miteinander vergleichbar sind. In den letzten Jahren wurden insbesondere Fachkräfte aus Polen und Tschechien häufig von deutschen Unternehmen angeworben, um ihren Personalbedarf decken zu können. Spezialisierte Unternehmen vermitteln die Fachkräfte und bieten flexible Möglichkeiten für Unternehmen aus den verschiedensten Branchen, vor allem im Handwerk, der Gastronomie, im Bauwesen, in der Logistik und in der IT.
Fachkräftelücke wird eine langfristige Herausforderung
Derzeit ist leider kein Ende des Fachkräftemangels in Sicht, aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften noch bis mindestens 2028 anhalten wird. Die von der Politik eingeleiteten Maßnahmen zeigen bislang kaum Wirkung und trotz des in vielen Bereichen auch funktionierenden Anwerben von ausländischen Fachkräften wird die bestehende Lücke eine langfristige Herausforderung darstellen. Die derzeit angespannte Weltlage insgesamt, sowie die anhaltende Rezession lassen also mehr mit Hoffnung als mit Zuversicht in die Zukunft blicken. (prm)
Autor: Bettina Salarno