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Nachricht vom 05.04.2025    

Nicole nörgelt … über verlorene Eier vor Ostern

Von Nicole

GLOSSE | Seltsamer Titel? Keineswegs, auch wenn es nicht um Hühnereier, sondern um "Eier haben" im übertragenen Sinne geht. Mein Wunsch zu Ostern wäre, dass einige Menschen im beschaulichen – oder auch gar nicht so beschaulichen – Westerwald, ihre "Eier" wiederfinden.

Die "verlorenen" Eier (Symbolfoto)

GLOSSE! Nachdem der ganze Wahlkampf um die Bundestagswahl im Februar rum war, hätte man ja glatt erwarten können, dass endlich wieder Ruhe im Alltag einkehrt. Keine mit Glanzprospekten überfüllten Briefkästen, keine Haustürbesuche nach Feierabend und auch keine Armada von Menschen, die den armen Bürger am wöchentlichen Einkauf hindert. Weit gefehlt, denn in den Verbandsgemeinden, in denen für Anfang April die Wahl des neuen Verbandsgemeinde-Bürgermeisters anstand, ging es danach erst richtig los.

Bürgerinformation und Haustürbesuche
Neben den ganzen Posts in den sozialen Medien, die leider für realistische Berichterstattung der absolut falsche Weg sind, weil sie von immer mehr Leuten als rechtsfreier Raum betrachtet werden, gab es Infoveranstaltungen, Werbung auf öffentlichen Plätzen und die berühmten Haustürbesuche. Wobei ich mich immer frage, wen man morgens und über Tag zu Hause erreicht? Der größte Anteil der Bevölkerung sollte sich meines Wissens nach tagsüber bei der Arbeit befinden und die Krankenschwester nach dem Nachtdienst mit einem Haustürbesuch aus dem Bett zu klingeln, ist der Wählerneigung bestimmt ebenfalls nicht zuträglich. Infoveranstaltungen hingegen sind eine gute Sache – da geht nur hin, wer sich für die Materie interessiert und es gibt genug Möglichkeiten mit den Kandidaten in den persönlichen Kontakt zu treten. Schließlich leben wir hier ja auf dem platten Land und nicht in einer anonymen Großstadt.

Kampf dem plötzlichen Gedächtnisverlust
Und gerade im Wahlkampf gilt mehr als überall sonst, dass sich die Kandidaten jede Äußerung, die sie öffentlich tätigen, gut überlegen sollten, denn der so beliebte "plötzliche, komplette Gedächtnisverlust", der ja auch gerne von der hohen Politik vorgelebt wird, kommt nicht gut an. Wer morgens nicht mehr weiß, was er abends gesagt hat, qualifiziert sich nicht zu einem brauchbaren Kandidaten. Und jedem muss klar sein, dass er in einer solchen Phase des Wahlkampfs unter besonderer Beobachtung steht. Also, immer auf der Hut sein und dem plötzlichen Gedächtnisverlust mit entsprechenden Hausmitteln vorbeugen – sehr zu empfehlen ist hier Ginseng.



"Cosa Nostra"-Methoden im Westerwald?
In den 80er Jahren gab es eine italienische Fernsehserie "La Piova", die in Deutschland unter dem Titel "Allein gegen die Mafia" lief. Wie ich haben damals Tausende Zuschauer mit dem armen Commissario Cattani mitgefiebert, der einfach nicht bereit war, sich korrumpieren zu lassen. Natürlich ist der Westerwald von solchen Zuständen noch weit entfernt (bis jetzt waren hier noch keine schwarz gekleideten, dunklen Gestalten zu sehen), aber Seilschaften und Geklüngel unter der Hand sind gar nicht so viel anders. Unglaublich, dass eine popelige Kommunalwahl solche Strukturen zum Vorschein bringt? Nein, denn plötzlich hört man von unterschwelligen "Ratschlägen" bezüglich der Äußerung seiner Wahlpräferenzen. Und ganz plötzlich trauen sich gestandene Persönlichkeiten nicht mehr, öffentlich Stellung zu beziehen. Und warum? Weil sie Angst vor Repressalien haben? Das kann und darf doch alles nicht wahr sein.

Demokratie – unser höchstes und kostbarstes Gut
Die Demokratie, in der wir in diesem schönen Land leben, mag manchmal ein bisschen sperrig, umständlich und mit Vorschriften behaftet sein, aber sie ist das höchste Gut, das wir haben und das wir mit allen Mitteln schützen müssen. Es gibt Gründe, warum die Demokratie diesen Regeln folgt und das ist richtig und gut so. Und ich persönlich bin froh, dass ich in einer Demokratie leben darf und nicht in einer Autokratie leben muss. Ich bin dankbar, dass ich selbst entscheiden darf, wen ich wähle und dankbar dafür, dass ich mich auch frei dazu äußern darf.

In diesem Sinne, liebe Leser, gehen Sie wählen, machen Sie Gebrauch von Ihrem demokratischen Recht, eine eigene Meinung zu haben und diese auch zu vertreten. Und im Hinblick auf Ostern – gehen Sie alle auf die Suche nach ihren „Eiern“. Ich wünsche Ihnen prall gefüllte Osternester.

Ihre Nicole

Definition einer Glosse
Als Glosse wird ein kurzer journalistischer Text bezeichnet, in dem sich der Autor mit aktuellen Nachrichten auf satirische Art und Weise auseinandersetzt. Die Themen einer Glosse können sowohl gesellschaftlich wichtig als auch witzig oder kurios sein.


Mehr dazu:   Nicole nörgelt  
Lokales: Puderbach & Umgebung
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