Personalpolitik mit christlichen Wurzeln
Chefin der Landesarbeitsagentur besuchte die Zentrale des Marienhaus-Konzerns in Waldbreitbach
Waldbreitbach. Wer den Arbeitsmarkt kennen will, der muss seine Unternehmen kennenlernen. Deshalb ist Heidrun Schulz, die Leiterin der Regionladirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit, regelmäßig zu Betrieben im Land unterwegs. In diesem Jahr interessiert sie sich besonders für die Pflege- und Gesundheitsbranche. Im Landkreis Neuwied führt da kein Weg an der Marienhaus Stiftung vorbei.
Es war der 13. März 1863, als die damals 37-jährige Margaretha Flesch gemeinsam mit zwei Gefährtinnen ihr Gelübde ablegte und den Orden der Waldbreitbacher Franziskanerinnen gründete. Das erklärte Lebensziel der tief gläubigen Frau, die unter schwierigsten wirtschaftlichen Verhältnissen aufwuchs: Sie wollte Menschen in Krankheit, Armut und Not zur Seite stehen.
Eine Aufgabe, der die Waldbreitbacher Schwestern auch mehr als 100 Jahre nach dem Tod ihrer Ordensstifterin mit außerordentlichem Erfolg nachgehen. Heute gehören zum „Konzern“ der Marienhaus Stiftung 21 Krankenhäuser an 31 Standorten, 29 Alten- und Pflegeheime, drei Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen, neun Hospize, zehn Bildungsstätten und diverse andere Einrichtungen in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Hessen und dem Saarland. Mit knapp 14.000 Beschäftigten ist die Stiftung einer der größten deutschen Arbeitgeber auf dem Sozialsektor.
Eine Branche, in der demografischer Wandel und Fachkräftesicherung schon heute ein wichtiges Thema sind, das Heidrun Schulz, die BA-Landeschefin, und den Leiter der Neuwieder Arbeitsagentur Karl-Ernst Starfeld bei ihrem Besuch in Waldbreitbach ohne weiteres ins Gespräch mit Marienhaus-Geschäftsführerin Christa Garvert und Personalmanagerin Tania Maslow brachte.
1.500 junge Menschen bilde man derzeit allein in der Pflege aus, erklärte Garvert. „Dazu kommen rund 170 junge Menschen, die in unseren Einrichtungen ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren. Wir legen viel Wert darauf, dass sie in dieser Zeit möglichst viele Berufsfelder kennenlernen, damit sie erkennen, wie vielfältig die Möglichkeiten bei uns und in anderen Einrichtungen sind.“ Eine Strategie mit Erfolg: „95 Prozent unserer Absolventen bleiben in der Branche.“
Zur Nachwuchsgewinnung gehört für die Marienhaus-Managerinnen nicht nur die Ausbildung. Auch junge Fachkräfte sollen sich wohl fühlen und mit ihrem Arbeitgeber identifizieren können. Familienfreundlichkeit und Lohngerechtigkeit seien deshalb nicht nur in den Krankenhäusern der Stiftung ein wichtiges Arbeitsfeld. Den Gedanken der Marienhaus-Verantwortlichen zu anderen Fragen „moderner Personalpolitik“ folgten die Arbeitsmarktexperten ebenfalls mit Interesse. Schließlich arbeiten auch die Agenturen in der Region intensiv an Konzepten, die Unternehmen bei der Gestaltung von zukunftsweisenden Arbeitsplätzen unterstützen sollen.
Man war sich einig, dass dabei sowohl die Bedürfnisse junger Familien als auch diejenigen älterer oder gesundheitlich eingeschränkter Beschäftigter berücksichtigt werden müssen.
„Wie lassen sich diese hohen Ansprüche in einem so riesigen Unternehmen mit hohem Fachkräftebedarf überhaupt umsetzen?“, wollte Heidrun Schulz wissen. Indem man seine Wurzeln nicht aus den Augen verliert, erklärte Christa Garvert. Die Philosophie des Ordens präge auch das Unternehmen: Der Einzelne dient dem Gesamten. „Das Wichtige ist, dass wir unserem christlichen Anspruch auch wirklich gerecht werden. Und zwar jeden Tag.“ Das sei nicht leicht, aber doch eine Grundlage, auf die man sich immer wieder besinnen könne.
Einen weiteren Grundsatz betont die Geschäftsführerin. „Achte auf Dich selbst, damit Du auch auf andere achten kannst.“
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