Werbung

Nachricht vom 20.11.2013    

Milchbauern demonstrieren: Treckerkolonne nach Brüssel

Westerwald. Die Milcherzeuger sind sauer: Die Milchmarktkrise, die bei Bauern deutschlandweit nach eigenen Angaben Verluste in Höhe von mindestens vier Milliarden Euro verursacht hat, werde von der Politik als kleine „Delle“ verharmlost. Mit Blick auf die Markterholung, die man für diesen Herbst erwartete, würden die Milcherzeuger vertröstet und jede Handlung - um der Krise aktiv zu begegnen - abgelehnt.

In diesen Tagen stehen Entscheidungen in Brüssel an. Die Milchquotierung und Reglementierung der Produktionsmengen läuft 2015 aus – dann befürchten die Bauern ein unkontrolliertes Ansteigen der Produktion, einen riesigen Milchsee und einen weiteren Preisverfall.

Oliver Koch, Landwirt in Harschbach, ist Kreisteamleiter des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter. Er analysiert die Lage so: „Es zeichnete sich tatsächlich langsam eine Markterholung ab. Die Molkereien konnten immerhin bei den Discountern um neun Cent höhere Trinkmilchkontrakte abschließen. Um diesen Preis stiegen am 1. November die Milchpreise, zum Beispiel bei Aldi. Und doch bleibt für die Milcherzeuger viel zu wenig übrig. Arla Food beispielsweise hat angekündigt, den Bauern für den Liter Milch gerade mal einen Cent mehr als bisher zahlen zu wollen. Vielleicht werden es für den einen oder anderen Bauern auch 2 Cent mehr pro Liter. Damit können wir unsere Verluste nicht einmal annähernd ausgleichen.“

Oliver Koch weiter: „Für uns ist besonders ärgerlich, dass beim Verbraucher suggeriert wird, dass die Bauern deutlich mehr Geld erhalten, weil die Milch teurer geworden ist. Dass sich die von den Milcherzeugern erzielten Preise schon bisher auf einem skandalös niedrigen Niveau befanden und jetzt kaum höher liegen, bleibt dabei völlig unberücksichtigt.“

Die Milcherzeuger sagen, sie haben es satt, sich als „Restgeldempfänger“ mit dem begnügen zu müssen, was die Molkereien ihnen zugestehen wollen. Die Weichenstellungen dafür, wie weit die Milcherzeuger künftig am Markt teilnehmen können und aktiv den Preis ihrer Milch beeinflussen können, werden in den nächsten Wochen in Brüssel entschieden, wenn die Rahmenbedingungen für die zukünftige Agrarpolitik in Europa festgelegt werden.



Oliver Koch weiter: „Für uns geht es dabei um die grundsätzliche Frage, wie unsere Zukunft gestaltet wird. Die aktuelle Entspannung darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass uns innerhalb kürzester Zeit schon wieder die nächste Krise treffen kann, obwohl wir noch nicht mal die aktuelle Krise bewältigt haben. Aus diesem Grund haben wir Milchbauern aus den Kreisen Neuwied, Altenkirchen und Westerwald uns entschlossen, für die große europäische Schleppersternfahrt zu mobilisieren, die am 26./27. November in Brüssel mit einer Kundgebung vor dem EU-Parlament endet.“

In ganz Deutschland und auch in den europäischen Nachbarländern starten Milchbauern mit ihren Schleppern und fahren quer durchs Land, um schließlich in Brüssel gemeinsam für ihre Zukunft zu demonstrieren. Im Kreis Altenkirchen soll am Sonntag (25.11.) um 10 Uhr gestartet werden. Dort werden sich schon am Samstag Bauern aus Hessen und Bayern gesammelt haben. Sie fahren gemeinsam nach Dierdorf, um dort die Bauern aus den Kreisen Neuwied und Westerwald einzusammeln. Die sollen sich der großen Treckerkolonne um 11 Uhr anschließen. Von Dierdorf aus geht die Fahrt weiter nach Brüssel. Oliver Koch ruft zur Teilnahme auf: „Wir laden alle Kollegen und Freunde ein, uns auf dem Weg nach Brüssel zu begleiten. Nur wenn wir uns politisch Gehör verschaffen, werden unsere Anliegen ernsthaft berücksichtigt.“


Feedback: Hinweise an die Redaktion

Anmeldung zum NR-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Neuwied.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Region


Treffpunkt für Trauernde: Austausch und Unterstützung in Neuwied

Der Neuwieder Hospizverein bietet Eltern, die um ein erwachsenes Kind trauern, einen besonderen Treffpunkt. ...

Aktualisiert: 14-jähriger Junge aus Oberraden wohlbehalten gefunden

Seit dem 11. März galt San Luca S. aus Oberraden als vermisst. Die Suche nach ihm hielt die Region in ...

Ameisenbär "Bramble" ist umgezogen

"Schau mal Mama, den haben wir ja noch nie gesehen!" Das Mädchen drückt die Nase an die Fensterscheibe, ...

Einbruch in Vettelschoß - Polizei sucht Zeugen

In den Abendstunden des 24. März ereignete sich ein Einbruch in Vettelschoß. Die Polizei ist auf der ...

Frühlingszeit, Zeckenzeit: Was Hunde, Katzen & Menschen jetzt wissen müssen

Nach einem milden Winter sind die Zecken wieder unterwegs und machen nicht nur uns Menschen, sondern ...

Das Raiffeisenmuseum in Hamm: Genossenschaftsidee zum Anfassen

Im kleinen Hamm an der Sieg steht das Geburtshaus des großen Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818–1888), ...

Weitere Artikel


Handwerks-Vollversammlung tagte in Koblenz

Unternehmer verabschiedeten 28-Millionen-Etat – Joachim Noll aus Stebach neuer Vizepräsident – Beitrag ...

Grünen-Landtagsabgeordnete Bröskamp startet Kita-Tour

Region. Elisabeth Bröskamp aus Bad Hönningen, kinder- und familienpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die ...

SV Windhagen mit Doppelerfolg am Heimspieltag

Windhagen. Zum ersten Mal in dieser Meisterschaftsspielsaison hatten die Seniorenmannschaften des SV ...

Uhrturmgalerie präsentiert Uhrtürmer und Gäste

Zur letzten Ausstellung im Jahr 2012 haben die Dierdorfer Uhrtürmer wieder Gäste eingeladen. Insgesamt ...

Genossenschaften als Erfolgsmodell für den Handel

Die 9. Auflage der Weyerbuscher Gespräche der Westerwald Bank: Zu Gast war Josef Sanktjohanser, bis zum ...

Verbandsgemeindefeuerwehrtag Asbach in Kölsch-Büllesbach

Ehrungen und Auszeichnungen für große Einsatzbereitschaft - Hallerbach: demografischer Wandel wird auch ...

Werbung