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Nachricht vom 27.11.2014    

Psychosoziale Belastungen am Arbeitsplatz: Wann macht Arbeit krank?

Kann Arbeit krank machen? Mit dem Thema psychosoziale Belastungen am Arbeitsplatz hat die Neuwieder Gesundheitskonferenz erneut ein Thema aufgegriffen, das derzeit öffentlich diskutiert wird. Die Konferenz stieß auf reges Interesse bei rund 120 Teilnehmern aus Wirtschaft, Verwaltung und Sozialwesen.

1. Kreisbeigeordneter Achim Hallerbach, Referent Dr. Bernd Schneider, sowie Gleichstellungsbeauftragte Doris Eyl-Müller und Psychiatriekoordinator Dr. Ulrich Kettler Foto: Privat

Neuwied. "Seit 1998 werden Gesundheitskonferenzen im Landkreis Neuwied durchgeführt und sind mittlerweile zu einer guten Tradition geworden", so der 1. Kreisbeigeordneter Achim Hallerbach in seiner Begrüßung. In den vergangenen Jahren standen Themen wie Impfen, Schlaganfall, Rauchen, Kinder- und Jugendpsychiatrie oder auch das Thema Sucht und Psychiatrie im Mittelpunkt. 120 Teilnehmer aus Wirtschaft, Verwaltung und dem Sozial- und Gesundheitswesen nutzen die Gelegenheit, um sich über das Verhältnis von Psyche und Arbeit zu informieren und gemeinsam zu diskutieren.

"Die Arbeit hat mich krank gemacht", eine Aussage, die gerne getroffen wird, aber in den seltensten Fällen stimmt, weil sie zu einfach ist. Dass der Arbeitsplatz ein wichtiger Lebensbereich ist, stand für den Referenten Dr. Bernd Schneider, Psychologischer Psychologe und Leiter die Allgemeine Hospitalgesellschaft AG, Gesundheitsdienste in Koblenz, außer Frage. Aber Veranlagung, Erfahrungen in der Herkunftsfamilie oder die aktuellen privaten Lebensbereiche würden ebenso wie die Erwerbsarbeit die Psyche des Menschen beeinflussen. Belastungen am Arbeitsplatz seien damit häufig nicht ursächlich für eine Erkrankung, sondern würden nur das Fass zum Überlaufen bringen.

Dr. Bernd Schneider befasst sich seit vielen Jahren mit Fragen des beruflichen Gesundheitsmanagements und des Wiedereingliederung von psychisch Kranken in das Erwerbsleben. Er war der Einladung des Psychiatriekoordinators Dr. Ulrich Kettler, der Gesundheitsförderung und Gleichstellungsstelle zur Neuwieder Gesundheitskonferenz gefolgt. Kreisbeigeordneter Achim Hallerbach verwies darauf, dass die Kreisverwaltung als Arbeitgeber gerade das Betriebliche Eingliederungsmanagement hinsichtlich der psychosozialen Folgen von Belastungen verstärkt hat. Und er betonte, dass Gesundheit, gesundes Leben und auch die ärztliche Versorgung zunehmen zu einem wichtigen Standortfaktor geworden ist. Dies gilt insbesondere für die eher ländlich strukturierten Gebiete im Landkreis Neuwied.

Dr. Bernd Schneider stellte anschaulich die Komplexität des Problems der psychosozialen Belastungen dar. Er unterstrich jedoch auch, dass Untersuchungen deutlich belegen, dass Arbeit grundsätzlich gesundheitsfördernd sei. So würden Menschen in der Arbeitswelt u.a. Sinnhaftigkeit und Genugtuung erfahren, sie könnten produktiv sein, Gestaltungsspielräume nutzen, eine Gratifikation erhalten und soziale Bindungen eingehen. Dies alles könne jedoch auch ins Gegenteil umschlagen, wenn man nach Erfolg süchtig würde, in die Verantwortungsfalle tappte oder das Gefühl entwickelte, nie mit der Arbeit fertig zu werden. Dabei reagieren Männer und Frauen unterschiedlich: Männer neigen eher zu einem süchtigen Verhalten, Frauen hingegen reagieren nicht selten mit Depressionen.



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Wie wichtig dabei die Rolle von Führungskräften ist, wurde bei der vor Beginn der Veranstaltung erfolgten Kartenabfrage bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern deutlich. Arbeitsverdichtung, Zeitdruck, unstrukturierte Arbeitsverteilung und mangelnde Wertschätzung seitens der Führungskräfte konnte Doris Eyl-Müller, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, als die meistgenannten Schlagworte ausmachen. Dies bestätigte nochmals die Aussagen des Referenten, der gleich zu Beginn auf beruflichen Entwicklungslinien, sprich unter anderem steigender Kommunikationsfähigkeit, kognitiver Anforderungen und Flexibilität hinwies, denen nicht jeder Arbeitnehmer oder Arbeitnehmerin gerecht werden könne.

Zum Ende der Veranstaltung stellte Dr. Ulrich Kettler die anwesenden Beratungsangebote im Landkreis Neuwied wie das Diakonische Werk, die Lebensberatung im Bistum Trier, die Caritas Suchtberatung und das Selbsthilfenetzwerk gemeindenahe Psychiatrie vor.

Alle Beratungsangebote finden Sie unter: www.beratung-neuwied.de . Auch der Termin für die nächste Neuwieder Gesundheitskonferenz zum Thema "Was hält gesund? Psychische Belastungen am Arbeitsplatz" steht bereits fest für Donnerstag, 25. Juni 2015. Nähere Informationen unter: www.psychiatrie-neuwied.de .


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