Werbung

Nachricht vom 01.04.2016    

Macht Schuld Sinn? - Ein Theaterstück gibt Antworten

Wer einen lieben Menschen verloren hat, fühlt sich nicht selten den Gefühlen seiner Trauer hilflos ausgeliefert, fast schon erdrückt von einer schweren Last. So jedenfalls brachten die Trauerbegleiterin Chris Paul und die Clownin Aphrodite (Ida Maria Paul) im Evangelischen Gemeindezentrum in Heddesdorf die Situation Trauernder auf die Bühne.

(von links): Die Trauerbegleiterin Chris Paul und Clownin Aphrodite suchten auf der Bühne Antworten auf die Frage: Macht Schuld Sinn? Fotos: privat.

Neuwied. Die beiden Frauen thematisierten nicht nur den Umgang mit dem schmerzlichen Verlust, sondern blickten noch viel tiefer. Denn Sätze, wie etwa „Ich bin schuld. Ich habe etwas falsch gemacht“, hört die Chris Paul in ihrer Funktion als Trauerbegleiterin immer wieder. Doch warum liefern sich Menschen dem Gefühl der Schuld aus? Warum machen sie sich selbst oder anderen Vorwürfe, wenn sie trauern? „Wenn alles, was vorher leicht war, verloren gegangen ist, dann können sogar Schuldgefühle helfen, eine große Not zu überstehen“, machte Chris Paul deutlich. Die Schuldvorwürfe oder –zuweisungen seien Ausdruck für das tiefe Bedürfnis, zu verstehen, warum ein Mensch plötzlich nicht mehr da ist. „Wenn es keine Antwort darauf gibt, muss ich oder jemand anders es doch schuld gewesen sein“. So schwierig es für Außenstehende auch klingen mag, laut Chris Paul sind die Gefühle der Schuld für Hinterbliebene auch eine Möglichkeit, die Bindung zu dem Verstorbenen nicht zu verlieren. Wie Krücken bieten sie Halt auf dem Boden, der unter ihren Füßen so plötzlich zerbrochen ist.

Gemeinsam mit über 100 Zuschauern, die auf Einladung des Hospiz im Kreis Neuwied (Ambulantes Hospiz und Neuwieder Hospizverein), der Waldbreitbacher Hospiz-Stiftung und der Katholischen Erwachsenenbildung Koblenz nach Heddesdorf gekommen waren, fanden die beiden Akteurinnen auf der Bühne eine Antwort auf die Frage: Macht Schuld Sinn? Einfühlsam brachten sie ein schweres Thema zur Sprache, aber nicht, ohne die Leichtigkeit und den Humor zu vernachlässigen.



Mit ihren eindrucksvollen Szenen öffneten sie ihren Zuschauern neue Wege, sich dem Thema Schuld zu nähern und vieles zu verstehen. So nahmen sie auch zur Lebenswirklichkeit von Kriegskindern Stellung, passend zum Jahresthema des Hospiz im Kreis Neuwied, „Sterbe- und Trauerbegleitung der Kriegs-und Kriegsenkelgenerationen“. Und sie wandten sich an jene, die trauernden Menschen begegnen. „Lassen sie uns Abstand halten, Innehalten und respektvoll mitfühlend Räume ohne Strafe schaffen. So kann man verzeihen und sich selbst von Schuld befreien“, sagte Chris Paul.

Ein ergreifender Abend, der für Verständnis warb, Antworten auf gestellte und nicht gestellte Fragen gab.


Lokales: Neuwied & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion

Weitere Bilder (für eine größere Ansicht klicken Sie bitte auf eines der Bilder):
 

Anmeldung zum NR-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Neuwied.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Region


Treffpunkt für Trauernde: Austausch und Unterstützung in Neuwied

Der Neuwieder Hospizverein bietet Eltern, die um ein erwachsenes Kind trauern, einen besonderen Treffpunkt. ...

Aktualisiert: 14-jähriger Junge aus Oberraden wohlbehalten gefunden

Seit dem 11. März galt San Luca S. aus Oberraden als vermisst. Die Suche nach ihm hielt die Region in ...

Ameisenbär "Bramble" ist umgezogen

"Schau mal Mama, den haben wir ja noch nie gesehen!" Das Mädchen drückt die Nase an die Fensterscheibe, ...

Einbruch in Vettelschoß - Polizei sucht Zeugen

In den Abendstunden des 24. März ereignete sich ein Einbruch in Vettelschoß. Die Polizei ist auf der ...

Frühlingszeit, Zeckenzeit: Was Hunde, Katzen & Menschen jetzt wissen müssen

Nach einem milden Winter sind die Zecken wieder unterwegs und machen nicht nur uns Menschen, sondern ...

Das Raiffeisenmuseum in Hamm: Genossenschaftsidee zum Anfassen

Im kleinen Hamm an der Sieg steht das Geburtshaus des großen Friedrich Wilhelm Raiffeisen (1818–1888), ...

Weitere Artikel


Zusammenlegung der Kreise AK und NR nur ein Aprilscherz

Mit der Idee die Kreise Altenkirchen und Neuwied zusammenlegen zu lassen, haben die Kuriere ganz unterschiedliche ...

DRK Linz: Rückblick auf ein intensives Jahr

Bei der Jahreshauptversammlung für das abgelaufene Jahr 2015 zogen die Mitglieder des DRK Ortsvereins ...

Erfolgreichstes Jahr des Tennisclubs Rheinbrohl

Zur Jahreshauptversammlung am 17. März 2016 konnte der Vorsitzende Peter Waldorf wieder zahlreiche Mitglieder ...

Gemeinsam mit den Bürgern Neuwied gestalten

Die repräsentative Befragung war eine erste wichtige Grundlage. Jetzt ist die Meinung der Bürger ein ...

"Der Kaffee - das Cafe"

Neun Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Fotowerkstatt der VHS Neuwied haben sich mit der fotografischen ...

Internationales Akkordeon Festival

Am Donnerstag, 7. April, beginnt um 20 Uhr die Akkordeonale 2016 in der Stadthalle Altenkirchen. Dem ...

Werbung