VdK-Herbstkonferenz zum Thema Medikamentenversorgung
Zu einer Arbeitstagung trafen sich kürzlich Vorstandsmitglieder aus den Ortsverbänden des VdK-Kreisverbandes Neuwied im Bürgerhaus Neustadt. Die Herbstkonferenz wurde einberufen, um die Ortsverbandsvorstände über neue Beschlüsse und Entwicklungen auf Bundes-, Landes- und Kreisverbandsebene zu unterrichten, wie Kreisvorsitzender Hans Werner Kaiser in seiner Begrüßung betonte. Neben den beiden Referenten Jörg Schmidt (AOK Rheinland-Pfalz) und Thomas Christmann (Raiffeisen-Apotheke Hamm/Sieg) konnte er Kreisgeschäftsführerin Doreen Borges, Claudia Schnur und Praktikantin Lisa Ginsberg von der Kreisgeschäftsstelle sowie den Vorsitzenden des Ortsverbandes Neustadt, Manfred Salz, begrüßen.

Neustadt (Wied). Nach den einleitenden Worten des Kreisvorsitzenden zum Thema „Medikamentenversorgung“ referierte Jörg Schmidt (Leiter Arzneimittelmanagement bei der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland in Frankenthal) zu den rechtlichen und gesetzlichen Auswirkungen der Arzneimittelversorgung. Er verwies darauf, dass der Arzt nicht ohne weiteres jedes vom Patienten gewünschte Präparat verordnen kann, auch nicht über den Weg eines Privatrezeptes.
Danach ging er auf die Kostenentwicklung im Arzneimittelbereich ein. Allein in 2017 betrugen die Leistungsausgaben der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland 4,0 Milliarden Euro. Davon entfielen 688 Millionen Euro (17 Prozent) auf Arzneimittel.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Ausführungen waren die Nachahmer-Produkte, die sogenannten Generika, und die Rabattverträge der Krankenkassen mit den Pharmaunternehmen. Generika enthalten die gleichen Wirkstoffe wie beim Originalpräparat und sind kostengünstige Arzneimittel von Markenpräparaten, deren Patentschutz nach zwanzig Jahren abgelaufen ist. Die Rabattverträge bezeichnete er als ein Erfolgsmodell der AOK, da ansonsten die Kosten für Arzneimittel deutlich höher liegen würden, was letztendlich durch die Patienten zu zahlen sei. Die vom Gesetzgeber 2017 unter bestimmten Voraussetzungen in Einzelfällen als Medizin zugelassene Verordnung von Cannabis bezeichnete er als ‚größten Menschen-versuch’. Versicherte mit einer schwerwiegenden Erkrankung haben demnach Anspruch auf Versorgung mit Cannabis, was unter bestimmten Voraussetzungen durch die Krankenkassen auch genehmigt wird. Nach seinen Ausführungen beantwortete er noch zahlreiche Fragen der Anwesenden.
Im zweiten Teil beleuchtete Apotheker Thomas Christmann die Medikamentenversorgung aus der Praxissicht. Zu Beginn ging er auf die Arzneimittelsicherheit ein und betonte, dass viele Fälschungen auf dem Arzneimittelmarkt im Umlauf sind, besonders im Internet. Zur Arzneimittelsicherheit zählt aber auch eine sichere Lieferkette, die durch die Apotheken vor Ort gewährleistet ist. Zum Haltbarkeitsdatum der Arzneimittel führte er aus, dass die Medikamente bis zum angegebenen Zeitpunkt ‚verkehrsfähig’ sind, das heißt, danach darf das Medikament nicht mehr verkauft werden.
Thomas Christmann ging dann auf die Liefersicherheit ein, da es bei einigen Präparaten bereits Lieferengpässe gibt. Durch die Rabattverträge ergibt sich für die GKV-Versicherten eine jährliche Ersparnis von 4,0 Milliarden Euro. Ende 2017 gab es in Deutschland 27.800 Rabattverträge, wie er ausführte. 25 Prozent der rabattierten verschreibungspflichtigen Arzneimittel waren Ende 2017 zuzahlungsbefreit oder ermäßigt. Ein weiteres Thema seines Referates war die Versorgungssicherheit. Gab es 2001 in Rheinland-Pfalz noch über 1.100 Apotheken, so sank diese Zahl zum Jahresende 2017 auf unter 990. Die Wertschöpfung einer Apotheke liege in Höhe der Mehrwertsteuer, wie Thomas Christmann abschließend betonte. Auch er beantwortete anschließend die vielen Fragen, die es rund um das Thema Medikamentenversorgung, Apotheken und Apothekenpreise gab.
Kreisvorsitzender Hans Werner Kaiser bedankte sich bei beiden Referenten für ihre sehr informativen Ausführungen und überreichte beiden ein Weinpräsent.
Zum Schluss der Tagung vermittelte Hans Werner Kaiser den Vorstandsmitgliedern aus den Ortsverbänden in seinem Beitrag einige Neuigkeiten aus Bundes-, Landes- und Kreisverband, wobei er besonders auf die Einweihung der neuen Geschäftsstelle einging. Ferner informierte er zur Personalentwicklung in der Kreisgeschäftsstelle und deren hervorragende Arbeit, was sich in der Bilanz des Jahres 2017 (860.000 Euro an Nachzahlungen für die VdK-Mitglieder) ablesen lässt. Ferner beleuchtete er die Situation in einigen Ortsverbänden und deren Schwierigkeiten, Kandidaten für die Vorstandsämter zu gewinnen. Beim Bundesverbandstag im Mai in Berlin wählten die Delegierten mit der 36-jährigen ehemaligen Parolympics-Siegerin Verena Bentele eine neue Präsidentin an die Spitze des mit 1,9 Millionen Mitgliedern größten Sozialverbandes in Deutschland. Auch der Kreisverband Neuwied wächst ständig an. Waren es vor einem Jahr noch 6.651 Mitglieder, so sind es derzeit 6.901 Personen in 25 Ortsverbänden, die dem Kreisverband Neuwied angehören.
In seinem Schlusswort lobte er die gute Beratungstätigkeit der Mitarbeiterinnen in der Kreisgeschäftsstelle und dankte Kreisgeschäftsführerin Doreen Borges und den Mitarbeiterinnen Ulla Over, Sandra Schmitz, Claudia Schnur und Verena Claudy sowie Praktikantin Lisa Ginsberg für die Vorbereitung der Herbstkonferenz. Dank sprach er auch Manfred Salz und dem Vorstand des Ortsverbandes Neustadt für die Arbeit vor Ort und dem Serviceteam für die gute Bewirtung aus. (PM)
Lokales: Asbach & Umgebung
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