Werbung

Nachricht vom 28.12.2018    

Mirko Haupt war sechs Wochen zum Praktikum in Nairobi

Sechs Wochen war Mirko Haupt in Kenia. Wo andere Urlaub und Safari machen, hat er ein sechswöchiges Praktikum als angehender Elektroniker absolviert. Eine Erfahrung, die er nicht missen möchte – und er animiert andere Azubis, es ihm nachzutun: „Wann immer sich die Möglichkeit ergibt, sollte man es unbedingt machen.“

Für Mirko Haupt was es eine besondere Erfahrung, in Kenia ein Praktikum zu machen. Er rät allen, denen sich eine derartige Gelegenheit bietet: „Auf jeden Fall zugreifen!“ Foto: privat

Neuwied. Mirko Haupt hat zunächst Mathe, Physik und Chemie studiert, 2017 wechselte er in eine Ausbildung zum Elektroniker bei den Stadtwerken Neuwied. Der 28-Jährige hat dann einen Flyer des ASA-Projekts gesehen. Dort bietet die IHK mit Partnern in Deutschland und Kenia Projektpraktika für Auszubildende in den Bereichen Handel, Elektro, Metallbau, Klimatechnik und Wasser an. Für ihn war klar: „Das ist es.“

Er hat´s nicht bereut. Untergebracht war er bei der Chefin des Unternehmens „Epicenter Africa Ltd“, die sich auf Wasserpumpen und Solarzellen spezialisiert haben: „Familie und Kollegen haben mich mit offenen Armen aufgenommen. Es war ein Traum.“ Auch im Betrieb wurde er sehr schnell ins Team integriert: „Auf beiden Seiten war große Offenheit, die muss man schon mitbringen.“ Ausgezahlt habe sich, dass er frühzeitig seine Englischkenntnisse aufgefrischt hatte. So lief die Verständigung problemlos.

In der Firma wurde er sofort einem Team zugeteilt, das Solaranlagen und Kontrolleinheiten installiert oder Pumpen anschließt: „Ich habe aber auch verschiedene Pläne gezeichnet, erst von Hand skizziert, dann am Computer professionell ausgearbeitet.“ Gravierende Unterschiede im technischen Niveau gibt es nicht: „Die Elektroniker in Kenia arbeiten mit den Bauteilen, die wir hier auch nutzen. Das Ausbildungssystem ist allerdings anders. Dort wird erst zwei Jahre Theorie gemacht, ehe es in den Betrieb geht. Das ist bei uns von Anfang an stärker an der Praxis orientiert. Daher hat man mich im Team auch gleich als vollwertiges Mitglied angesehen.“ Wer jedoch glaube, man könne als Azubi aus Deutschland den kenianischen Elektronikern mit Herablassung begegnen, der liege komplett falsch: „Da ist die Ein- und Vorstellung mancher Leute aus Europa gegenüber den Afrikanern ziemlich daneben: Das sind hochqualifizierte Leute, die schon Jahrzehnte in dem Beruf arbeiten. Ich bin ihnen mit dem gleichen Respekt begegnet wie meinen Meistern bei den SWN.“

Imponiert hat ihm die Arbeit draußen und nennt Beispiele: „Da ist ein Feld mit einem 250 Meter tiefen Bohrloch. Dort haben wir über mehrere Stunden hinweg eine Pumpe abgelassen, das war auch körperlich extrem anstrengend. Als dann aber am Ende das Wasser sprudelt, ist das sehr beeindruckend und befriedigend.“ Technisch keinen Unterschied gibt es bei der Installation von Solarplatten: „Das sind Stecksysteme wie bei uns. Aber: Kran oder Steiger fehlen. Die Platten werden auf der Schulter hochgebuckelt.“ Über teils abenteuerliche Konstruktionen…

Für Mirko Haupt war der Aufenthalt eher für die persönliche als die berufliche Entwicklung förderlich: „Der kulturelle Austausch war enorm. Man versteht globale Zusammenhänge und Folgen des Kolonialismus, die bis in die Gegenwart bestehen. Wir haben uns unter den Kollegen und in der Familie intensiv über Politik und gesellschaftliche Entwicklungen unterhalten. Man bekommt einfach einen anderen Blick.“ Genau das ist Ziel des Programms: Die Teilnehmer sollen den Beruf aus einer anderen Länderperspektive kennenlernen und sich mit globalen Machtstrukturen auseinandersetzen. Mit zwei 14-tägigen Seminaren werden sie auf Kultur, Wirtschaft, Umgangsformen und Gepflogenheiten im Land vorbereitet.



Die Stadtwerke Neuwied haben Mirko Haupts Praktikum bewusst und intensiv unterstützt, zahlten sein Gehalt weiter, kamen für die Impfungen auf und halfen bei den Untersuchungen durch die Betriebsärztin. Geschäftsführer Stefan Herschbach betont: „Mit unseren Auszubildenden kommen nicht nur die Fachkräfte von morgen in unseren Betrieb, sondern auch neue Ideen und Anstöße.“ Die Erfahrungen des Azubis seien ein Mehrwert für alle – und ein Anreiz für die jungen Leute, den eigenen Horizont zu erweitern.

Haupt ist dankbar für die Unterstützung: „Das macht nicht jeder Betrieb.“ Über die Zeit in Nairobi berichtet er daher auch gern und ausführlich im Kreis der anderen Azubis und im Betrieb: „Es wäre schön, wenn mehr an dem Programm teilnehmen.“ Er wirbt dafür. Sobald sich die Möglichkeit biete, einige Wochen eine andere Kultur, das Arbeits- und das gesellschaftlichen Leben kennenzulernen, solle man auf jeden Fall zugreifen. „Für die persönliche Entwicklung ist diese Zeit ein großer Gewinn.

Man sollte sich aber gut vorbereiten: Es kostet Zeit, die Flüge zu organisieren, man muss ein Visum beantragen, die Impfungen und die Untersuchungen müssen gemacht werden. Den Aufwand sollte man nicht unterschätzen.“ Eine Voraussetzung für den Erfolg dieser Praktika im Ausland seien ausreichende Sprachkenntnisse. Bei Mirko war das kein großes Problem, da er schon einmal ein Jahr in Indien gelebt hat. Gepaukt hat er daher vor allem die technischen Begriffe. Kisuaheli, die Landessprache in Kenia, brauchte es nicht: „Mambo heißt ´Hi, wie geht´s?´, und wenn es einem gut geht, dann sagt man ´Jambo´. Mehr braucht es nicht. Businesssprache ist Englisch.“ Zweite, nicht minder wichtige Voraussetzung: Offenheit, Neugier und die Bereitschaft, sich ohne Scheu auf Menschen einer anderen Kultur einzulassen: „Dann ist es großartig.“


Lokales: Neuwied & Umgebung
Feedback: Hinweise an die Redaktion

Anmeldung zum NR-Kurier Newsletter


Mit unserem kostenlosen Newsletter erhalten Sie täglich einen Überblick über die aktuellen Nachrichten aus dem Kreis Neuwied.

» zur Anmeldung



Aktuelle Artikel aus Region


Jugendbildungsfahrt: Berlin ruft die Jugend

Die Kreisjugendpflegen Neuwied und Altenkirchen laden Jugendliche ab 14 Jahren zu einer besonderen Reise ...

40 Jahre im Dienst der Gemeinde Raubach

Raubach. Seit vier Jahrzehnten ist Bernd-Gerhard Heck, im Ort liebevoll als "Gerd(i)" bekannt, eine feste ...

Generationenkino Neuwied: Ein Filmabend für alle Generationen

Am 8. April lädt das Generationenkino in Neuwied erneut zu einem besonderen Kinoerlebnis ein. Die Veranstaltung ...

Einschränkungen auf der B 413 bei Kleinmaischeid

Auf der Bundesstraße 413 bei Kleinmaischeid stehen Bauarbeiten an, die den Verkehr beeinträchtigen werden. ...

Steven Wink wird neuer Vorsitzender der FDP-Landtagsfraktion

Die FDP-Fraktion im Landtag Rheinland-Pfalz hat Steven Wink am 2. April einstimmig zu ihrem neuen Vorsitzenden ...

Startschuss für die 24. Westerwälder Literaturtage mit Maxim Leo

Am 23. April beginnt im Kino Cinexx in Hachenburg eine neue Saison der Westerwälder Literaturtage. Unter ...

Weitere Artikel


VR-BANK und Raiffeisendruckerei unterstützen Lernpatenprojekt

Mit einer Spende von 5.000 Euro unterstützen die Volks- und Raiffeisenbank Neuwied-Linz eG und die Raiffeisendruckerei ...

Highspeed-Internet für alle Schulen und Krankenhäuser

Ein Sonderprogramm des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird Schulen und Krankenhäuser ...

Stimmungsvolle Winterwanderung auf dem Naturerlebnispfad Dürrholz

Der einstmalige „Geheimtipp“ hat sich bereits über die Kreisgrenzen hinaus verbreitet, daher folgten ...

Vollbrand eines Reihenhauses in Unkel

Am 28. Dezember gegen 12:15 Uhr gingen mehrere Notrufe über einen Wohnhausbrand in der Innenstadt von ...

Fahrer von dunklem Kombi verursacht Unfall und flieht

Am Donnerstag, den 27. Dezember, gegen 17:20 Uhr, befuhr ein grauer VW Passat die Andernacher Straße ...

Wanderfreunde „Dremherem“ erhalten Ehrenamtspreis

2009 aktivierte Uwe Runkel einige Rüscheider Rentner zum Wandern. Jeden zweiten Mittwoch treffen sie ...

Werbung