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Nachricht vom 15.05.2019    

Bergbau ist Wirtschaftsgeschichte: Horhausener Erztransporte beleuchtet

„Erztransporte von den Horhausener Gruben zur Sayner und Mühlhofener Hütte“ war das Thema beim Kreisheimatverein in Pleckhausen. Vorsitzender Konrad Schwan konnte als Referenten den Willrother Heimatforscher Albert Schäfer begrüßen. Der machte deutlich, dass die Bergbaugeschichte ein bedeutender Teil der regionalen Wirtschaftsgeschichte sei.

Es ging um „Erztransporte von den Horhausener Gruben zur Sayner und Mühlhofener Hütte“: (von links) Konrad Schwan (Vorsitzender Heimatverein Kreis Altenkirchen), Hans Buhr (ehemaliger Bergmann), Hans-Jürgen Kalscheid (stellvertretender Vorsitzender des Bergbaufördervereins der VG Flammersfeld), Gregor Eul (ehememaliger Bergmann) und der Willrother Heimatforscher Albert Schäfer. (Foto: Rolf Schmidt-Markoski)

Pleckhausen. Der Heimatverein des Kreises Altenkirchen hatte zum Vortragsabend in das Dorfgemeinschaftshaus Pleckhausen eingeladen. Der pensionierte stellvertretende Schulleiter und bekannte Willrother Heimatforscher Albert Schäfer sprach zum Thema „Erztransporte von den Horhausener Gruben zur Sayner und Mühlhofener Hütte“. Konrad Schwan, Vorsitzender des Heimatvereins, konnte eine interessierte Zuhörerschar begrüßen, darunter auch ehemalige Bergleute aus Güllesheim und den Pleckhausener Ortsbürgermeister Alois Eul sowie Hans-Jürgen Kalscheid, stellvertretender Vorsitzender des Bergbaufördervereins der Verbandsgemeinde Flammersfeld. Zu Beginn seines Vortrages machte Schäfer deutlich, dass die Bergbaugeschichte ein bedeutender Teil der Wirtschaftsgeschichte der Region sei.

Mit Pferdefuhrwerken bis zur Sayner Hütte
Weiter erklärte der Heimatforscher: „Die Inbetriebnahme der Sayner und später der Mülhofener Hütte, dessen war man sich von vorne herein bewusst, war zunächst nur mit der Nutzung der längst bestehenden Verkehrswege durch das zur genannten Zeit übliche Pferdefuhrwerk möglich. Immerhin mussten je nach Grube Entfernungen von 22,5 Kilometer (Grube Georg bei Willroth) bis 34 Kilometerm (Grube Harzberg bei Burglahr) bis zur Sayner Hütte überwunden werden; zur Mülhofener Hütte noch weitere zwei Kilometer.“

Bei den Erzabbaustellen, anfangs die Pingen in den Wäldern, nutzte man notgedrungen die unbefestigten Wald- und Feldwege. Gab es solche nicht, so waren die Fuhrleute gezwungen, in den Wäldern neue Abfuhrwege zu schaffen, was unvermeidbar Flurschäden zur Folge hatte. Aktenvermerke und Gemeinderatsprotokolle aus Bürdenbach und Güllesheim zur Zeit, als Friedrich Wilhelm Raiffeisen Bürgermeister in Flammersfeld war, belegen, dass die betroffenen Gemeinden die Sayner Hüttenverwaltung zur Schadensregulierung drängten, wobei Raiffeisen vermittelnd tätig wurde.

Steinstraßen führten von den Westerwälder Höhen bis an den Rhein
Besonders schwierig gestaltete sich die Erzabfuhr auf den Distanzen zwischen den Gruben und der längst bestehenden Rheinstraße von den Westerwälder Höhen hinunter zum Rhein. In den 1840er Jahren wurden daher auf Rechnung des Oberbergamtes Bonn gleich drei neue „Steinstraßen“ angelegt und befestigt: die längste von den Pingen am Gabeler Kopf bei Bürdenbach, eine weitere aus dem Pingenzug auf dem Hufer Berg bis zur Rheinstraße und die dritte vom Tiefen Stollen der Grube Georg bei Willroth hinauf zur Gierender Höhe. So war gewährleistet, dass der Erztransport bei jeder Witterung aufrechterhalten werden konnte.



Die meisten Erzfuhren benutzten die Rheinstraße lediglich bis zur Gierender Höhe, um von dort aus die Straßenverbindung hinüber in östlicher Richtung an Urbach vorbei und den Dierdorfer Wald durchquerend zu nutzen und nördlich von Maischeid die Koblenz-Mindener Straße und anschließend über Isenburg bis Sayn zu befahren. Wenn jedoch Hochwasser oder Eisgang im Saynbach dies verhinderten, waren die Fuhrleute gezwungen, ab der Gierender Höhe die Rheinstraße talwärts bis Oberbieber zu nutzen, um von dort aus über Gladbach und Heimbach-Hütten in Sayn und Mülhofen zu erreichen. Die unter Krupp hinzu gekommene Hermannshütte in Neuwied wurde ausschließlich über die Rheinstraße erreicht.

„Straßendampfer“ bei der Grube Louise
Das traditionelle Eisenerzfuhrwesen mit Pferdekarren und -wagen zwischen den Gruben um Horhausen und den genannten Hütten am Rhein erfuhr erstmals in den 1870er Jahren eine technische Neuerung bei der Grube Louise. Ein Zechenbuch vermerkt, dass auf der dortigen Steinstraße ein „Straßendampfer“ eingesetzt wurde, der angehängte Erzwagen auf der Steilstrecke hinauf zur Rheinstraße bis zur Gierender Höhe zog.

Seilbahn löste 1899 traditionellen Erztransport mit Pferdefuhrwerk ab
Weitere technische Neuerungen stellten die Bleichert'sche Seilbahn zwischen der Grube Harzberg und Bruchermühle (1876) und der Westerwaldbahn (1884) dar, an die die Firma Krupp die Gruben Louise, Friedrich Wilhelm und Lammerichskaule mit einer Schmalspurbahn zum Staatsbahnhof Seifen anschloss. Die Pohlig'sche Seilbahn von Grube Georg, im Jahr 1899 hinunter zur Grube Louise errichtet, beendete den traditionellen Erztransport mit Pferdefuhrwerk zu den genannten Hütten endgültig.

Als im Jahr 1930 die Grube Luise wegen Erzmangel stillgelegt und die Erzbahn nach Seifen demontiert wurde, ergab sich für die Grube Georg die Notwendigkeit, ihr Erz mit LKWs zum Bahnhof Oberlahr der Strecke Linz-Seifen zu transportieren. Die Firmen Herzog (Rengsdorf) und E. Mann (Langenhahn) waren damit betraut. „Infolge der Zerstörung etlicher Viadukte der Bahnlinie Linz-Seifen durch Kriegseinwirkungen musste der Erztransport von Grube Georg, der letzten noch fördernden Grube nach deren Wiederinbetriebnahme im Herbst 1945 zum Bahnhof Dierdorf mit Hilfe von LKWs neu organisiert werden, wobei es bis zum Ende des Erzbergbaus im Horhausener Raum am 31. März 1965 blieb“, erklärte Heimatforscher Albert Schäfer in seinem Vortrag in Pleckhausen. (PM)



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