NR-Kurier
Ihre Internetzeitung für den Kreis Neuwied
Pressemitteilung vom 03.04.2025
Politik
Bürgermeisterwahl in der Verbandsgemeinde Puderbach: Herward Geimer
Im Hinblick auf die Wahl des Verbandsgemeindebürgermeisters in Puderbach stellen sich die Kandidaten mit der Beantwortung einiger Fragen vor.
Herward Geimer - Pressefoto. Foto: Lara Stephan FotografiePuderbach. Herward Geimer im Gespräch mit dem NR-Kurier – Für frischen Wind in der Verbandsgemeinde Puderbach.

Am 6. April wählt die Verbandsgemeinde Puderbach einen neuen Bürgermeister. Einer der Bewerber: Herward Geimer aus Raubach. Der 48-Jährige bringt Erfahrung aus der Immobilienwirtschaft und der Kommunalpolitik mit – eine Kombination, die er selbst als "wichtige Wirtschaftskompetenz" bezeichnet. Im Interview spricht Herward Geimer über seine Motivation, seine Ziele und die Herausforderungen der kommenden Jahre.

Herr Geimer, berichten Sie unseren Lesern zuerst einmal etwas über sich.
Geimer: "Ich bin 48 Jahre alt und komme aus Raubach. Dort lebe ich seit über 20 Jahren mit meiner Annette zusammen. Hier ist meine Heimat, hier bin ich verwurzelt und hier engagiere ich mich schon immer hier vor Ort auf vielfältige Art und Weise. Ich Interessiere mich für Die Region und die Menschen. Zudem bin ich überzeugt, dass unsere Gesellschaft nur funktionieren kann, wenn wir uns aktiv einbringen. Jeder tut das auf seine Weise: im Verein, in der Jugendarbeit, in der Pflege Angehöriger, im Tierschutz oder beispielsweise auch durch Einkaufs- oder Fahrdienste für Senioren. Ich halte es für wichtig, dass man das macht was man sagt und dass man sagt was man macht. In Bezug auf Die jetzige Wahl bedeutet das auch, dass man daran denkt, dass es ein „Danach“ gibt und man dann immer noch eine gute Arbeitsebene braucht. Auch deshalb laufe ich nicht unreflektiert jedem Zeitgeist hinterher und springe nicht über jedes Stöckchen das man hingehalten bekommt. Meine Freizeit verbringe ich gerne mit Hund in der Natur, mit Sport und ab und an findet man mich auch auf dem Motorrad."

Erzählen Sie uns kurz noch etwas über Ihren bisherigen beruflichen Werdegang.
Geimer: "Da sind bei mir verschiedene Lebensabschnitte zu betrachten, die mir heute sehr zugutekommen, weil ich in vielen Bereichen Erfahrung sammeln konnte. Zunächst stellt die handwerkliche Berufsausbildung eine Basis dar, die mir heute, im täglichen Leben, noch viel hilft und mir ermöglicht, auf ein handwerkliches und technisches Verständnis zurückzugreifen. Danach musste ich zum Grundwehrdienst - dessen de facto Abschaffung ich übrigens bedaure. Nicht so sehr, weil man dort eine militärische Basisausbildung erhalten hat, sondern weil man dort auch unweigerlich zum ersten Mal vor der Herausforderung stand, sich in einer Gemeinschaft zu integrieren und im persönlichen Bereich für sich selbst Verantwortung zu übernehmen. Aus gesamtgesellschaftlicher Sicht erscheint mir das eher vorteilhaft. Da man weder in der Lehre noch bei der Bundeswehr damals viel Geld bekam, arbeitete ich jede freie Minute nebenbei. Nicht nur als Reparaturschlosser bei Hedwigsthal, sondern auch lange bei einem Zimmermann und Trockenbauer - irgendwo musste das Kirmesgeld ja herkommen. Durch persönliches Interesse traf ich vor ca. 20 Jahren die Entscheidung, mich beruflich umzuorientieren, und ging als Immobilienmakler in die Selbstständigkeit. Ich stellte sehr schnell fest, dass dies jedoch nicht so einfach war, wie ich mir das gedacht habe. Ich musste sehr viel nachholen und schnell, insbesondere die betriebswirtschaftlichen Kenntnisse erlernen. Im Jahr 2006 begann ich dann, mich in Richtung des Sachverständigenwesens zu orientieren, weil man in diesem Bereich sehr breit aufgestellt ist. Kenntnisse über das Marktgeschehen, die Bau- und Verwaltungs-strukturen sowie die Bautechnik sind hier die Stichworte. Heute arbeite ich, vereinfacht gesagt, sowohl als Makler, aber meistens als zertifizierter Immobiliensachverständiger und erstelle Gutachten für Privatpersonen, im behördlichen und juristischen Kontext und für die Industrie sowie das Handwerk."

Bleiben wir beim Ehrenamt. Wie sehen Sie es im Puderbacher Land aufgestellt und wie möchten Sie es weiterentwickeln?
Geimer: "Wissen Sie, es wird hier bei dieser Wahl immer von „DEM“ Ehrenamt geredet. Ich finde Ehrenamt ist vieles. Das sind eben nicht nur die Menschen, die in den klassischen Vereinsstrukturen organisiert sind, sondern Ehrenamt ist so viel mehr. Das sind auch die Feuerwehrleute genauso wie der Bürgerfahrdienst; das sind auch die Menschen die In der Nachbarschaftshilfe unterwegs sind genauso wie die Flüchtlingshelfer oder die Menschen die die Tafel mit Leben füllen. Es sind aber auch diejenigen, die sich in den Kirchen und Glaubensgemeinschaften einbringen; in den Räten engagieren und versuchen die Region weiterzuentwickeln. Es gibt Nachbarschaftsinitiativen die sich einfach zusammentun und beispielsweise Bäume pflanzen oder ein öffentliches Beet pflegen, oder schlicht den Müll anderer einzusammeln. Da gibt es Menschen die helfen im sozialen Bereich ehrenamtlich mit, da gibt es Menschen die helfen ehrenamtlich mit, die Region wirtschaftlich weiterzuentwickeln und da gibt es auch Menschen, die auf gesellschaftlicher Ebene oder im Freizeitbereich ehrenamtlich unterwegs sind. Das alles findet im Ehrenamt statt. Ich finde so individuell wie das Ehrenamt ist, so individuell muss man auch hinsehen. Ich glaube nicht, dass es die pauschale Lösung für die Unterstützung des Ehrenamtes gibt – klar kann man fragen, warum beispielsweise Gebühren für Genehmigungen erhoben werden müssen; oder man kann auch darüber nachdenken, wie man eine bessere Vernetzung innerhalb der Ehrenamtler hinbekommt um Synergieeffekte zu erzeugen. Aber das alles ist graue Theorie - oder besser gesagt: Das sind Lippenbekenntnisse, wenn man diese Einstellung nicht lebt. Ich finde zur Unterstützung gehört auch dazu, dass man sich auf Vereinsfesten mal blicken lässt, ein paar Bons kauft und ´ne Bratwurst isst und damit auch etwas für eine Vereinskasse tut. Genau dort kommt man mit den Menschen ins Gespräch. Ich halte das für eine der aufrichtigsten Formen der Wertschätzung."

Wie sehen Sie die Lebensqualität im Puderbacher Land?
Geimer: "Insgesamt stehen wir erst mal nicht so schlecht da. Gerade unsere Lage, etwa mittig zwischen den Ballungsräumen Rhein/Main und Rhein/Ruhr, ist doch ein Potential, dass uns, mit den guten Anbindungen, enorme Vorteile verschafft. Wir Leben hier durchaus ländlich geprägt und genießen die Freiheiten die das so mit sich bringt, aber haben die Bereiche Koblenz oder Köln in erreichbarer Nähe. Ich finde das sehr Vorteilhaft und toll. In vielen Orten hat man hier noch eine intakte Dorfgemeinschaft und ein Zusammengehörigkeitsgefühl. Unsere öffentliche Infrastruktur ist, in Bezug auf Schulen und Kindergärten, im Wesentlichen ganz gut aufgestellt -klar gibt es immer etwas zu verbessern, aber das wird ja auch gemacht. Allerdings haben wir auch noch einige Herausforderungen vor der Brust, die uns sehr fordern werden. Diese Herausforderungen sind unter anderem in den Bereichen Gesundheitsversorgung, finanzielle Ausstattung der Gemeinden und Wirtschaft, bzw. gute Arbeitsplätze zu finden. Vieles davon hängt auch mit dem demographischen Wandel zusammen. Gerade weil ich, zusammen mit anderen und der Politik, diese Dinge bereits seit längerem auf dem Schirm habe und an der Erarbeitung von Lösungen und Lösungsansätzen immer wieder mitarbeite und beteiligt bin, weiß ich, dass es nicht einfach wird. Dennoch ist dies kein Grund, einfach aufzugeben. Wir müssen zusehen, dass wir hier einfach das Quäntchen besser arbeiten und immer eine Nasenlänge voraus sind und damit das, was hier unsere Lebensqualität ausmacht, aufrechtzuerhalten."

Dieser Tage wurde das Risiko- und Krisenmanagement der Verbandsgemeinde vorgestellt. Wie stehen Sie dazu?
Geimer: "Zunächst einmal sind wir in der VG, in Bezug auf Krisenmanagement relativ gut aufgestellt. Infolge der Katastrophe, die sich an der Ahr abspielte, kam in unserer Region die Frage auf: „Was wäre geschehen, wenn der Wind vielleicht eine Stunde länger geweht hätte?“ Dann wäre dieses Ereignis über uns niedergegangen und das Ergebnis wäre wahrscheinlich ähnlich gewesen. Ebenso spielen nun die Ereignisse auf dem weltpolitischen Parkett wieder eine Rolle. Hierbei sind die Stichworte „Ukrainekrieg“ und „Energieknappheit“. Richtigerweise hat man hier sich daraufhin mit dieser Fragestellung befasst und zunächst den Status Quo festgestellt. Daraus ist nun, mit dem Risiko- und Krisenmanagement, sowie dem „Hochwasser und Sturzfluten Vorsorgekonzept“ ein Leitfaden entstanden. Jetzt gilt es diese Strategien umzusetzen."

Extremwettereignisse werden auch im Westerwald häufiger – wie wollen Sie darauf reagieren?
Geimer: "Stimmt. Das stelle ich auch fest. Diese Wetterereignisse, die sie ansprechen, müssen wir im Blick haben. Ich glaube nicht, dass wir hier in der Verbandsgemeinde Puderbach das Wetter, oder gar das Klima ändern können. Klar, wir können und sollten unseren Beitrag leisten. Der muss aber nicht nur ökologisch nachhaltig sein, sondern auch ökonomisch nachhaltig. Sonst wird das nicht funktionieren. Aber sie sprechen in Ihrer Frage ja die Wetterereignisse und nicht das Weltklima an. Die Wetterereignisse sind bereits da und wir -genauso wie andere- sind davon unmittelbar betroffen. Es ist nicht die Frage ob wir irgendwann betroffen sind, sondern wann. Wir müssen unsere Hausaufgaben machen und ein Bewusstsein für die Risiken entwickeln. Hierzu gehört es, unter anderem, dass wir alle wieder lernen, das öffentliche Hilfe auch endlich ist. Wir müssen bei uns selbst die Vorsorgemaßnamen treffen, die uns möglichst vor Schäden bewahren. Wir müssen wieder mehr Eigenverantwortung übernehmen. Die Ortsgemeinden und die Verbandsgemeinde müssen selbstverständlich Ihren hoheitlichen Aufgaben, in Bezug auf den Bevölkerungsschutz, nachkommen – und das wird auch getan. Aus den letzten Jahren kennen wir aber auch das Problem der großen Trockenheit. Wir haben fast die Hälfte des Waldbestandes verloren. Nun muss wieder aufgeforstet werden und zwar so, dass der Wald in Zukunft widerstandsfähiger gegen solche Ereignisse ist. Die Ortsgemeinden sind an dieser großen Aufgabe bereits mit der Forstwirtschaft dran. Das Kostet aber alles viel Geld und es sind über Jahrzehnte keine signifikanten Gewinne aus der Forstwirtschaft zu erwarten; so ein Baum wächst halt ziemlich langsam. Aber auch unsere Trinkwasserversorgung muss solchen, zukünftigen Ereignissen standhalten. Deshalb wurde die Trinkwasserversorgung ja bereits umfassend modernisiert. Dies wurde ja auch am Tag der offenen Tür an der Liegenschaft der Verbandsgemeindewerke auf der Hölzches Mühle präsentiert und erklärt. Derzeit arbeitet die Werkleitung daran, Anschlüsse an die benachbarten Trinkwassernetze zu installieren um bei großer Trockenheit das Wasser dynamischer und bedarfsgerechter zu Verteilen und sich gegenseitig interkommunale Hilfe zu bieten. Ich halte diese Maßnahmen zur Erhöhung der Resilienz für richtig."

Dies alles kostet Geld… Wie wollen Sie Investitionen finanzieren?
Geimer: "Die finanzielle Beinfreiheit der Ortsgemeinden und der Verbandsgemeinde ist, gelinde gesagt, katastrophal. Innerhalb der Haushalte sind nicht wirklich Gestaltungsräume da um große Maßnahmen umzusetzen. Wir erleben nun das dritte Jahr der Reszission. Es ist leider ein Fakt, der kaum angesprochen wird, dass der Kuchen im Moment kleiner wird, und die Begehrlichkeiten größer. Natürlich muss man, beispielsweise über den Gemeinde- und Städtebund, den Druck ins Land und in den Bund aufrechtzuerhalten um eine Reform der Finanzierung der Gemeinden zu erreichen. In einer perfekten Welt wäre das auch so. Leider leben wir aber nicht in einer perfekten Welt, sondern wir müssen feststellen, dass es leider anders läuft. Ich habe auch wenig Hoffnung und halte es für Realitätsfern zu glauben, dass sich das kurzfristig in fundamentaler Weise ändert. Wir müssen uns selbst helfen! Sparmaßnahmen sind zwar wichtig und müssen wir angehen, aber die Möglichkeiten einzusparen sind begrenzt. Wir müssen dafür sorgen, dass wir hier vor Ort gute Unternehmen und damit gute Arbeitsplätze haben und halten. Nur damit erzielen wir Einnahmen. Nur mit guter kommunaler Wirtschaftspolitik schaffen wir es, uns finanzielle Spielräume zu schaffen. Nur damit können wir die Abhängigkeit von Bund und Land etwas reduzieren. Als zweite Maßnahme, müssen wir davon weg, in Verwaltungsstrukturen zu denken. Ich glaube wir müssen uns gegebenenfalls auch außerhalb der eingetretenen Verwaltungsstrukturen bewegen und mit etwas mehr Cleverness und Kreativität an die Töpfe herangehen, an die alle heranwollen. Wie es gehen kann, sieht man ja beispielsweise bei der unmittelbar anstehenden Straßensanierung in Puderbach und Urbach. Ich glaube nur so schaffen wir es ein prosperierendes Umfeld aufrechtzuerhalten. Es hilft halt nicht, immer nur zu „jammern“ und Forderungen aufzustellen – man muss auch einfach mal machen…"

Vielen Dank für das Gespräch.

Anmerkung der Redaktion: Alle Kandidaten haben von der Redaktion die gleichen Fragen gestellt bekommen. Die Aussagen sind authentisch und ohne redaktionelle Bearbeitung.
Pressemitteilung vom 03.04.2025 www.nr-kurier.de