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Nachricht vom 04.04.2025 |
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Region |
Schock auf dem Brüse-Hof: Schafe durch Wolfsriss in Selters getötet |
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Hannah Becker ist eine von vielen Hobbyzüchterinnen einer Schafsherde im Westerwald. Sie hatte die Debatte über den Wolf in der Region in den vergangenen Monaten verfolgt und die Weide mit einem entsprechenden Zaun geschützt. Dennoch gelang es einem Beutegreifer, an die Schafe heranzukommen und die Herde empfindlich zu dezimieren. |
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Selters. Hannah Becker, die auf dem Aussiedlerhof "Brüse" in Selters lebt, übt tagsüber einen anderen Beruf aus und geht nach Feierabend ihrer Leidenschaft nach: Landwirtschaft und Tiere, dabei insbesondere Schafe. Auf dem Brüse-Hof gibt es zwei Schafsherden, eine davon, mit bisher 16 Schafen, hält und umsorgt Hannah Becker.
Als sie am Donnerstagmorgen (3. April) die Weide betrat, traf sie fast der Schlag. Ein Wolf ist zuvor auf das Gelände gekommen und hat die Herde angegriffen.
Emotional berührt
Im Gespräch mit den Kurieren war Hannah Becker spürbar anzumerken, dass der Angriff des Wolfs sie geschockt hat und auch stark emotional berührt. Drei Schafe sind nicht mehr auffindbar, sie sind einfach weg. Ein Schafbock hat den Angriff des Wolfs ebenfalls nicht überlebt, er wurde regelrecht ausgeweidet, Rippen angefressen und sämtliche Innereien gefressen.
David Schuh vom KLUWO (Koordinationszentrum Luchs und Wolf) aus Dierdorf, hat den Kadaver des getöteten Schafbocks untersucht und Gewebeproben entnommen, um diese in speziellen Laboren untersuchen zu lassen, damit sicher festgestellt werden kann, dass der Bock Opfer eines Wolfs geworden ist.
Trotz Schutzzaun konnte der Wolf in das Gehege eindringen
Hannah Becker berichtete, dass die Weide, auf der ihre 16 Schafe sich aufhielten, von einem 1,20 Meter hohen Spezialwolfsnetz umzäunt war, zudem wurde der Zaun durch eine Batterie unter Strom gestellt. Die betreffende Weide befindet sich unmittelbar hinter dem Brüse-Hof und wird im hinteren Bereich von einem Waldstück in Richtung Krümmel abgegrenzt.
Anhand der Wildtierkamera, die von KLUWO an der betreffenden Weide aufgestellt war, konnte festgestellt werden, dass der erste Angriff am 3. April, gegen 5.30 Uhr, erfolgte. Festgestellt wurde das Unglück am selben Tag gegen 7 Uhr, als die Bäuerin die Arbeit auf dem Hof begann und bemerkte, dass der Zaun niedergerissen war und die überlebenden Schafe in Panik zum Hof gelaufen waren. Ein Schaf hatte sich bei der Flucht in dem Zaun verheddert, konnte nicht entkommen und war zudem den Stromschlägen ausgesetzt, hat aber trotzdem überlebt und wird nun besonders gepflegt.
Hannah Becker hat ihre Herde nun mit der anderen Schafsherde zusammengefügt, diese Schafe weiden jetzt direkt auf der Fläche neben dem “Brüse-Hof“. Die Schafe werden tagsüber nun mit einem mobilen Netz geschützt und zur Nacht in festen Pferchen untergebracht.
David Schuh von KLUWO, konnte bei den ersten Untersuchungen des gerissenen Schafs feststellen, dass das Tier nicht lange gelitten hat, da es durch einen Biss in die Kehle getötet wurde, was typisch für das Beißverhalten eines Wolfs ist. Auch dass der Pansen des Tieres abgelegt war, jedoch keine Innereien mehr vorhanden waren, zeigt, dass es sich um einen Wolfsangriff gehandelt haben muss, vorbehaltlich weiterer Untersuchungen.
Bei den Kurieren ist bereits ein Artikel zum Auftrag der KLUWO im Westerwald erschienen.
Die geschockte Schafhalterin ist sich nicht sicher, wie es weitergehen soll: "Auch wenn Schafe Nutztiere sind, sind sie mir doch ans Herz gewachsen und ich habe Angst, dass so etwas noch einmal passieren könnte. Anscheinend gibt es keinen hundertprozentigen Schutz vor Angriffen von Wölfen, darum überlege ich, ob ich mit der Schafhaltung aufhöre. Der Tod des gerissenen Schafbocks trifft mich sehr, da es ein ganz besonderes Tier war und mir zum Geburtstag geschenkt wurde", sagte sie besorgt.
Heftiger Streit zwischen Tierschützern und der Landwirtschaft
Dieser aktuelle Fall wird die Gemüter im Westerwald weiter erhitzen, denn es finden seit Langem harte Debatten zwischen Tierschützern, die das “Ermorden“ von Wölfen verhindern wollen und Schafhaltern statt, die sich nicht in der Lage sehen, ihre Tiere ausreichend vor Angriffen der Wölfe zu schützen und zudem auch eine Gefahr sehen, dass Wölfe Menschen angreifen könnten, was bisher Gott sei Dank nicht geschehen ist. Die Fronten zwischen beiden Lagern sind verhärtet und es liegt an der Landesregierung ebenso wie an der Justiz, ob das Jagdrecht geändert wird und der Wolf geschossen werden darf. Der amtliche Ausdruck für das Schießen eines Wolfs lautet übrigens "Entnahme". |
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Nachricht vom 04.04.2025 |
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